01. August
Bevor wir das NT verlassen, haben wir noch einen Abstecher nach Tennant Creek gemacht, das laut Werbeplakaten am Highway „bestgehütetste Geheimnis im NT“. Warum sich das nicht rum spricht wissen wir jetzt und auch, dass wir heut morgen schon am Roadhouse Richtung Ostküste hätten abbiegen sollen. Dort haben wir uns das teuerste Eis überhaupt gekauft – Wucher!! Nur weil die Leute die hierher kommen, noch 2000km vor oder bereits hinter sich haben.
04. August
Die letzten 3 Tage galt es Kilometer zu schruppen. Anja versuchte das Auto und mich heil über den miserablen Highway zu steuern.
Während ich mit noch schmerzendem Rücken hinten lag und versuchte, am Laptop zu arbeiten (Website-Tagebuch)
und öfter mal an die Decke gerummst bin.
In Normanton haben wir wieder Bekanntschaft mit der Zivilisation gemacht und einem deutschen Auswandererpaar.
Die wollten Anjas akrobatische Fotoeinlagen an der Riesenkrokodilskulptur nachahmen.
Ein Stück weiter wurde es plötzlich kurvig, bergig und grün – wir hatten die Höhenzüge der „Great Dividing Range“ erreicht.
Hier sah es aus wie in der Schweiz.
Die Nacht war entsprechend nasskalt und eine Riesenspinne hatte sich zum putzen ihrer Hauer
auch noch die Toilette auserkoren. Die letzten Kilometer Richtung Küste des tropischen Nordens von Queensland offenbarten saftige
Wiesen und Zuckerrohrfelder, grüne Hügel mit grasenden Kühen um die sich volle Flüsse schlängeln. Kaum vorstellbar, dass hier auch Kroks lauern!?
Unser nördlichtes Ziel ist „Cape Tribulation“, das ist dort wo das größte verbliebene Stück Regenwald aufs Meer trifft.
Kaum hätten wir es gar nicht gefunden. Ganz schön schlechte Beschilderung auf dieser sehr engen Schlängelstraße durch den dichten Wald.
Etwas spektakulärer als eine Bucht mit Mangroven hätten wir’s uns schon vorgestellt. Nun ja, immerhin hatten wir so das Glück
einen seltenen Kasuar zu sehen, diesen riesigen blaubunten Vogel mit komischem Hügel auf dem Kopf. Die gibt es nur noch hier.
06. August
Nur noch die
Ostküste
wieder runter bis nach Sydney, der Zeitplan ist zwar eng, aber im Moment sind wir guter Dinge.
Mein Rücken geht auch wieder, so dass wir noch ein paar Sightseeing-Zwischenstopps einlegen konnten. Port Douglas ist
weniger das erwartete beschauliche Fischerdorf, aber auch wenn die Einfahrtsschneise mit mondänen Holiday- Ressourts
gepflastert ist, hat es dennoch seinen Charme. Nicht nur wegen den zahlreichen kulinarischen Verführungen
(denen wir natürlich auch erlegen sind ;-) manchmal weiß man nur nicht genau warum.
Cairns hat jedenfalls nichts von Alldem.
Auch gut, so hatten wir Zeit noch nach Mission Beach zu fahren, um eine der rumliegenden Kokosnüsse zu holen.
Wieder ganz anders war Townsville, um einen Berg gebaut, mit malerischen alten Villen, einem Wasserfall,
einem vorkriegszeitlichem Schwimmbad und gar nicht touristisch, aber uns hat’s gefallen.
Nach einer Kebap-Rolle zu Abendessen haben wir uns mit Bier und Wodka-Cruiser auf den Zeltplatz (mit beleuchtetem Spül WC) und in den Schlafsack verkrochen.
08. August
Mein Geburtstag!!!
Heute wollten wir ganz früh nach Airlie Beach und einen Segeltrip zu den
Whitsunday-Islands
buchen.
Leider waren wir zu früh und es noch so kalt, dass unser Holden gar nicht anspringen wollte. Also mal wieder Pannendienst angerufen.
Der hat uns zur Werkstatt eskortiert. Erste Diagnose: Ölloch im Kühler, 1 Woche warten, 1000 Dollar oder aber tropfen lassen und
morgens Dieselpumpe betätigen. Wir entschieden uns für Letzteres.
Dann haben wir ein Plätzchen auf einem alten Dreimaster gebucht und konnten den Tag feierlich im Steakhouse ausklingen lassen.
Nach einer unruhigen Nacht auf dem Parkplatz am Hafen und einem Frühstück bei McDonalds stachen wir in See. Ok. Genaugenommen mit
3 Stunden Verspätung und einem Boot, welches auch noch mit einen Motorschaden zu kämpfen hatte.
11. August
Trotz oder gerade wegen der etwas weniger luxuriösen Ausstattung unseres Dreimasters haben wir wahrscheinlich einen Volltreffer gelandet.
Das Schiff war alt und hatte Charme: Ab und zu musste mal was repariert werden und wir legten mit Hand an, z.B. mit Hilfe eines
Seifenspenders Batteriesäure von einer Batterie in die andere pumpen etc…
Der Skipper war ein absolutes Original, ein lustiger dicker Italiener, der uns jeden Abend ein super Essen gezaubert hat,
das Beste seit wir hier unten sind. Manchmal zwar unter erschwerten Bedingungen, z.B bei voller Fahrt in ziemlicher Schräglage.
Leider ist Anja nicht ganz seetauglich und verbrachte die ganze Zeit auf Deck, auch wenn’s auf abendlicher Fahrt recht kühl wurde.
Die anderen Leute auf dem Boot waren auch sehr nett. Eine bunt zusammen gewürfelte internationale Truppe.
So segelten wir also entlang der Whitsunday Islands zum schönsten Strand der Inselgruppe: „White Haven Beach“. Allerdings haben wir
an der anderen Seite angelegt und mussten erst über die leicht bewaldeten Hügel steigen, was uns aber eine tolle Aussicht verschaffte.
Hier gibt es aber nicht nur Inseln sondern auch Ausläufer des „Great Barrier Reef“. Also rein in den Tauchanzug und abgetaucht.
Nach Anjas schwerem Start an der Westküste hat sie hier die Unterwasserwelt schon entspannter genießen können.
Beim anschließenden Sonnenbaden auf dem Bootsdeck wurden wir von einigen neugierigen Wasserschildkröten beäugt.
Und auf den letzten Seemeilen gab es sogar noch Buckelwale zu bestaunen.
Dieser Trip war eines der tollsten Erlebnisse für mich.
13. August
Zwei Tage südlicher, einen weiteren Werkstattbesuch später und mit einem wirklich unguten Bauchgefühl entschieden die
Fähre nach
Fraser Island
zu buchen. Schließlich hatten wird uns damals auch für das Auto entschieden, um damit auf der größten Sandinsel der Welt zu fahren.
Hier erwarten einen kilometerlange Sandwege, die zu wunderschönen klaren Süßwasserseen und Flüssen auf der Insel führen.
Anfangs ging es noch gut, auch wenn es teilweise sehr steil war oder tiefer Sand. Auf dem Weg zum Schildkrötensee hat’s unser Auto
trotz Allrad-Antrieb dann leider nicht mehr durch den Sand geschafft. Zu schwach motorisiert!
Am „75 Mile-Beach“ ist es schon leichter zu fahren. Nach einer Nacht hinter den Dünen sind wir dort den Strand entlang gefahren bis hoch
zu bunten Sandsteinwänden und dem Wrack der 1935 gestrandeten S.S. Maheno. Bei Ebbe ist der Strand sehr breit und gleicht eher einem Highway.
Außerdem dient er als Landebahn für Propellerflugzeuge.
14. August
Bevor die Flut einsetzt hätten wir entspannt über die Strandroute zur südlichen Fähre kommen können. Ja hätten,
wäre da nicht der Reifen geplatzt und soviel Sand, dass sich der Reifenwechsel etwas schwerer gestaltete.
Wir mussten Treibholz suchen, um dem Wagenheber einen festen Untergrund zu geben. Und wären da weiter nicht
so tiefe Ausspülungen quer über den Strand, eine ansteigende Flut und somit nur noch der vermutete sandige Weg im Inselinneren.
Letztlich haben wir es auf die Fähre geschafft, kurz nachdem Anja knapp einem neugierigen Dingo entwischt ist als sie ausstieg
um ein zweideutiges Hinweisschild besser lesen zu können. Sie ist völlig fertig mit den Nerven, besonders weil unsere
Achse wieder altbekannte Geräusche machte, die uns schon mal 3000 Doller kosteten. Vermutlich weil das Ersatzrad zu klein ist.
Wir haben dann zwar in einem kleinen Nest einen neuen Reifen besorgt, aber die Angst blieb. Den Rest des Tages haben wir unser verloren geglaubtes
Handy gesucht.
Was für ein Tag! Dank der netten Dame vom Zeltplatz durften wir, durchgefroren wie wir waren, zum Aufwärmen und Ablenken den ganzen Abend im
Fernsehraum verbringen.
15. August
Die Hauptstadt von Queensland, Brisbane, wollten wir der Vollständigkeit halber natürlich noch ansehen. Das schöne Wetter, für ein paar Stunden das Auto vergessen und eine Stadt, die schon an Sydney erinnert … das brachte uns die nötige Entspannung und Kraft, das allerletzte Stück anzugehen. Leider hatten wir nur einen Nachmittag zur Verfügung. Schade!
17. August
Noch eine letzte Nacht auf der Straße, auf einem vielsagenden Rastplatz „Sleepy Hollow“. Jetzt ist auch diese rum und wir werden
nie wieder in unser fahrendes Schlafzimmer kriechen – schade eigentlich, weil bequem und kuschelig war es schon.
Noch ein letztes Mal Magengrummeln und dann fahren wir auch schon in den Vorstadtdschungel von
Sydney.
Geschafft ! Knapp ein Jahr und ca. 35000 km später fahren wir wieder über die Harbour-Bridge !
Unser Auto parken wir in der Bourke Street, die nun für die letzten Tage unser Zuhause ist.
Hier erwartet uns ein Zimmer, das wir uns von einem Kumpel unseres ersten Vermieters in Sydney (vor knapp einem Jahr!!) besorgt haben.
19. August
Nachdem wir uns erstmal ausgeschlafen und unsere Sachen sortiert und gewaschen haben steht nun die letzte Aufgabe bevor. Wir müssen das Auto verkaufen!!!
Wir haben jede Menge Flyer verteilt, überall da wo wir letztes Jahr auch geschaut haben. Leider haben wir festgestellt, dass die Preise irgendwie sinken.
Auch in der Zeitung "Tradingpost" habe ich für zwei Wochen inseriert. Na wir werden sehen, wie es anläuft.
Nebenbei haben wir mal wieder persönlich bei TCP unsere Post abgeholt und nebenbei dort mal eben eine
Steuererklärung gemacht. Dafür dass wir Zweifel hatten, überhaupt Anspruch zu haben, bekommen wir demnächst wohl unglaublich viel zurück erstattet.
Einen deutschen Bäcker haben wir heute auch entdeckt und belegte Brötchen gegessen. Schwer zu sagen was mehr Freude ausgelöst hat!
20. August
Eigentlich hatten wir uns ja gefreut, nun wieder deutsche Nachrichten zu sehen, blöd nur, dass unsere Vermieter immer ewig Sport schauen bevor sie zur Arbeit gehen. Soweit wir das mitbekommen passiert aber nicht viel in Deutschland. Frühstück gibt es also, wenn die weg sind. Sie sind zwar OK, aber dieses übertriebene und dennoch uninteressierte Nachgefrage nach unserem Befinden nervt.
22. August
Wir haben noch ein paar Schönheitsreparaturen am Auto vorgenommen und warten, dass sich Interessenten melden. Einen neuen „TÜV“ (Pink Slip genannt) bräuchten wir dann auch. Immerhin haben wir schon von einer Werkstatt gehört, die das schnell und günstig erledigt. Während ich mich am wieder vorhandenen Internet erfreue, spaziert Anja durch die Stadt und füllt den Kühlschrank, der uns auch wieder zur Verfügung steht.
25. August
Da sich noch immer Niemand!!! gemeldet hat, mussten wir heute zum „Sydney Car Market“(Flohmarkt für Autos in einem Parkhaus).
Dort haben wir vor einem Jahr ja auch unser Auto gekauft.
Die Standgebühr dort hat sich gerade auf 100 Dollar erhöht, prima. Schon auf dem Weg ist unser Auto wieder abgesoffen und uns
ist schon schlecht vor der Probefahrt.
Aber den „Pink Slip“ haben wir bei einem alten Armenier nach einem kurzen Scheibenwischer und Blinktest bekommen.
Er hat netterweise noch gefragt, ob denn die Bremsen funktionieren und auf den Test verzichtet. Na dann ist ja alles bestens!
Jetzt müssen wir uns nur in die Reihe frierender Backpacker einordnen und weiter warten. Immerhin ist hier das Preisniveau besser.
Hilft nur nichts wenn keiner kommt.
Als letzte sind wir heimgefahren, damit die Konkurrenz nicht mitbekommt wie das Auto ab und zu verreckt.
27. August
Oh Wunder, es ist wahr! Wir haben das Auto nach nur zwei Tagen verkauft. Da kamen doch gestern zwei deutsche Jungs, die (wie wir anfangs) gar nicht
genau wussten, dass sie so ein Auto suchen. Die Probefahrten haben wir und das Auto auch gut durchgestanden und heute haben wir es fest gemacht und wir können
ganz viele bunte Scheinchen unser eigen nennen!
So ist es am Ende doch noch ganz gut ausgegangen. Wir haben den Dachgepäckträger noch mit aufs Dach geschraubt (es war zu niedrig im Parkhaus),
ein letzter sehnsüchtiger Blick … und da fuhr es auch schon dahin … ohne uns. Gute Reise!
31. August
Wir zählen die Tage bis zur Heimreise und machen gerade einen Plan wo und wann wir noch alles ein letztes Mal in Sydney hinwollen, Essen gehen, Abschied feiern und so. Heute z.B. gehen wir mit in einen Pub mit Liveband, wohin uns Brad und Mia, unsere Vermieter eingeladen hatten. Mit einer derartigen Ignoranz der beiden hatten wir dort allerdings nicht gerechnet. Egal, war trotzdem schön und wir haben fleißig das Woolloomooloo - Lied mitgesungen.