01. Dezember
Heute haben wir mal eben nach der Arbeit den schnellsten Umzug, den wir je erlebt
haben, hinter uns gebracht. Innerhalb einer Stunde haben wir unser Hab und Gut ins
Auto und dann in unsere neue
Bleibe geschafft. Nach einem kleinen Rundumputz und
unserer luftdichten Folien-Versiegelung der Klimaanlage (stinkt!!!) ist es ganz angenehm hier.
Die 115,- Dollar ist uns die neue Unabhängigkeit mittlerweile auch wert.
04. Dezember
Die letzten Tage waren eigentlich Routine, Anja war Kirschen pflücken und
wurde heute wegen einem Krankheitsfall an das Pack-Band gestellt. Es ist eine
ziemlich anstrengende Arbeit, bei der man vom vielen aufs Band starren
Kopfschmerzen kriegt, sagt sie.
Deswegen hab ich auch alleine eingekauft und Essen gemacht.
Immerhin bekommt sie 16,50 Dollar die Stunde.
08. Dezember
Wie schnell die Tage hier vorbei gehen, es ist wie Alltag zu Hause.
Heute hatte ich, nachdem es die letzten Tage etwas ging, wieder extreme Rückenschmerzen.
Ich musste den ganzen Tag den Rücken wärmen und Tabletten essen. Wir haben überlegt, ob ich
zum Arzt gehen sollte, aber ich habe meinen Befund ja schon und mehr als meine mir von
der Physiotherapie verordneten Übungen kann ich auch nicht machen.
Ich hoffe es wird besser. Vielleicht rutscht die Bandscheibe irgendwann wieder rein.
So komme ich wenigstens dazu, die Website weiter voran zu treiben. Neben der reinen
Text- und Fotobearbeitung programmiere ich ja schon die neue Version, etwas
moderner (für die, die etwas damit anfangen können: Content Management System mit
PHP und MySql).
Vielleicht komme ich dann meinem Plan, ein Praktikum in dieser Richtung hier unten
zu finden, etwas näher.
09. Dezember
Am Mittwoch war ich im Cafe und habe meine Mobil-Nummer dagelassen, damit sich Ben,
der Besitzer, bei mir melden kann wegen einer Wochenendschicht. Leider kam gestern und
heute kein Anruf! Und das Wochenende ist nun um!? Ich werde morgen mal vorbeigehen.
14. Dezember
Die letzten Tage waren ereignislos, außer das Anja auf Arbeit knapp einer
"Huntsmen"-Spider "entkommen" ist. Das heißt, sie war auf
dem Klo und die Kollegin nach ihr hat sie neben dem Spiegel direkt vor sich entdeckt. Diese Spinne kann
handtellergroß werden, ist superschnell, kann springen und ist bissig.
Zum Glück ist sie nicht giftig, wie andere Spinnen hier. Das war auch erstmal
Anjas letzter Tag, dann hat sie das Wochende frei bevor die letzte Woche vor
Weihnachten noch Sauerkirschen geplückt werden.
Ach ja, und die im Cafe haben mich wissen lassen, dass die Frau vom Besitzer
vielleicht etwas übereilig war und sie doch keine Schichten für mich haben.
Das war ja dann eine kurze Anstellung. Zum Glück hab ich noch genügend Gespartes.
Aber in ein paar Monaten müssen wir bestimmt beide wieder arbeiten.
Mal schauen, was sich ergibt.
Außerdem haben wir die letzten Tage versucht, einen Ersatz für unser kostenlosen
W-LAN Zugang zu finden, da er seit kurzem verschlüsselt ist.
Abends haben wir noch ein paar Häuser mit Weihnachtsdekoration fotografiert.
Die machen das wie die Amis, alles bunt und kitschig.
15. Dezember
Nach 3 Wochen Dauerschicht für Anja war heut erstmal ausschlafen angesagt!
Gegen Mittag haben wir dann einen Auslflug ins nahe
King Valley gemacht.
Nach einer kurzen Fahrt haben wir auf einer Weide Alpakas gesehen
(ursprünglich aus Südamerika), die wegen ihrer Wolle gezüchtet werden.
Allerdings waren diese im Gegensatz zu Schafen viel zutraulicher und kamen
nacheinander alle angestürmt.
In dem kleinen Dorfladen in Edi haben wir uns ein Eis gegönnt. Dort standen gerade
2 Frauen am Bügelbrett direkt vor einem Weihnachtbaum.
Draußen haben die Zikaden so laut gezirpt, dass es kaum auszuhalten war.
Weiter gings dann ein Stück in die Berge zum Powers Lookout, wo einst ein berühmter
"Bushranger" (Räuber) sein Versteck gehabt hat und nach der Polizei Ausschau hielt.
Für den Rückweg haben wir uns ein Stück "unsealed road" eingeplant und
dort lauter Zwerkkaninchen rumspringen sehen. Die sind hier eine der Landplagen,
nachdem sie jemand im 19. Jahrhundert zum Spaß der Jagd ausgesetzt hat.
Leider haben wir keines vor die Kamera gekriegt, ebenso wie die bunten Vögel,
deren Namen wir nicht wissen. Alle zu schnell !
20 Km südwestlich von Wangaratta liegt Glenrowan. Das war noch ein Muß! Hier wurde
der sagenumwobene Ned Kelly gestellt, auch ein Bushranger, angeblich sowas
wie ein australischer Robin Hood.
Die machen hier den totalen Ausverkauf mit ihm, die Gegend nennen sie sogar
"Kelly"-Country.
Als die Polizei das Versteck seiner Bande hier umstellte, ist er mit einer
selbstgemachten Panzerung am Körper hinausgegangen und hat sich eine Schießerei mit
den Gesetzeshütern geliefert. Dummerweise reichte die Panzerung nur bis zur Hüfte,
und sie schossen ihm ins Bein.
Als er gehängt wurde, soll er nur gesagt haben: "Such is Life".
16. Dezember
Heute sind wir nach
Beechworth gefahren, der besterhaltensten Goldgräberstadt
Australiens. Unterwegs haben wir eine historische Bäckerei entdeckt, mit
gemütlicher Gartenanlage, die heutzutage als Touristenherberge dient.
Neben den üblichen Souvenirläden gab es eine Reihe nette Restaurants und Cafes, die leider
alle um 17 geschlossen hatten (weil die normalen Touris da schon wieder heim fahren),
als wir hungig von unserem Stadrundgang dort einkehren wollten.
Besonders interessant waren die gut erhaltenen historischen Gebäude, wie das alte Gericht,
ein ehemaliges Telegrafenamt und diverse administrative Goldgräber-Einrichtungen.
Nach einem Eis sind wir zum hiesigen Friedhof, um uns die "Chinese Burning Towers"
anzuschauen, ein Monument für die ca. 2000 hier begrabenen Chinesen, die während
des Goldrausches ab 1851 hierher immigrierten. Anschließend haben wir einen kleinen
Abstecher zum idyllische Lake Sambell gemacht, ein Erholungsgebiet direkt an der Stadt.
Zum Abschluß sind wir noch zu der hübschen, kleinen Schlucht in Beechworth gefahren
und baben die Mini-Wasserfälle und die besterhaltenste Brücke Ausstralien gesehen.
21. Dezember
Damit die Website zu Weihnachten vollständig ge-updated ist,
habe ich die letzten Tage mit Hochdruck daran gearbeitet.
Dann haben wir nämlich alles aufgeholt und können es mit den Einträgen entspannter
angehen lassen.
Anja pflückt noch die letzten Kirschen. Sie ist übrigens die beste Pflückerin
dort!
Abends lesen wir beide dann die Website Korrektur und verfeinern alles noch.
Außerdem haben wir noch Fotos von
Wangaratta und weihnachtlich geschmückten Häusern
gemacht und eingearbeitet.
Ein Haus war besonders üppig geschmückt:
Der Sohn des Besitzers erzählte uns, dass sie letztes Jahr sogar eine
Kunstschnee-Kanone aufgestellt haben und Schnee im Wert von 5000 Dollar! verpulvert
haben (gesponsert).
Sie hatten Besuch aus New York und die haben auch ungläubig gestaunt, wie jemand
für Schnee Geld ausgeben kann !
Ach ja, und einen Ölfilterwechsel für 80 Dollar haben wir beim örtlichen Holden-Händler
machen lassen, jetzt flutscht es wieder für die nächsten paar tausend Kilometer !
Nachdem wir heute die Website im Netz updaten werden, ist erstmal Weihnachtspause.
Jetzt wird sich ausgeruht und geschlemmt, soweit das mit dieser englisch-australischen
Küche möglich ist. Wir werden es wagen, den englischen Plum Pudding zu essen.
24. Dezember
Heilig Abend !
Gestern, an Anjas letztem Arbeitstag, nachdem sie uns im Wald noch einen
kleinen Weihnachtsbaum gemopst hat, ist ihr auf halber Strecke nach Hause
der Diesel ausgegangen. Sie rief mich an damit ich irgendwie vorbeikomme.
Karen hat mich dann hingefahren und wir haben aufgefüllt.
Letzendlich haben wir einen (u.a. mit frischen Kirschen) geschmückten
Weihnachtsbaum.
Beim letzten Internet-Check hatte Anja eine email von einer Freundin,
die widerrum eine email von der Polizei aus Wangaratta bekommen hatte.
Der Officer hatte einen USB Stick anzubieten mit Daten und email Adressen
von ihr.
Also zur Polizei und den Stick abgeholt, den wir seit Tagen vermissten.
Ich hatte ihn auf dem Supermarkt Parkplatz verloren.
Nach weiterem Einkaufsstress am Abend konnten wir endlich heim und unser
australisches Weihnachtsessen (mit geräucherter Truthahnbrust) kochen.
Vollgestopft und todmüde sind wir ohne Nachtisch um halb elf ins Bett.
26. Dezember
Die beiden Feiertage haben wir mit Karens Familie verbracht.
Den ersten klassisch mit Familienessen zu Hause, was aus einer Art Buffet
bestand und zum Nachtisch gab es neben dem Plum Pudding einen merkwürdigen Salat
aus buntem Wackelpudding mit Bisquit-Teigwürfeln, Vanillepudding und Sahne.
Den zweiten Tag (Boxing Day genannt) machten wir einen Ausflug nach Yarrawonga
an einen Stausee. Leider dieses Jahr ohne Motorboot mit Wasserski, da es kaputt ist.
Also nur Picknick, sonnen und spazieren gehen.
So ein Weihnachten werden wir auch sobald nicht mehr haben!
28. Dezember
Gestern haben wir das Auto durchgescheckt und unseren Hausrat eingeladen.
Abends haben wir durch Zufall einen Nachbar kennengelernt, der alte Autos
restauriert. Er hatte den einzigsten Trabant Australiens auf dem Hof,
der einst die Kontinente durchquerte und leider in Australien Totalschaden
erlitt. Was für ein Zufall !!!
Heute morgen nach der Schlüsselübergabe nahmen wir unser Leben
auf der Straße wieder auf und machten uns auf die
Reise in Richtung
Südwesten.
30. Dezember
Heute sind wir in Ballarat für umgerechnet 21 Euro pro Nase auf den
"Sovereign Hill", einer nachgebauten Stadt aus der Goldrausch-Ära im 19. Jh.
Hier erlebt man hautnah das Goldfieber, mit jeder Menge Straßentrubel,
Kutschen, Leuten in Originalkostümen und Werkstätten. Hier wird nach alter
Handwerkskunst geschmiedet, Bonbons gemacht, Gold gegossen etc.
In der Schule waren wir auch, sowie in einer dunklen Miene aus alten Tagen.
In einer Bowlingbar haben wir uns eine Cola und ein Creamy Soda nach altem
Rezept gegönnt. Nach tausend anderen Läden, Häuschen mit historischer Einrichtung
und niedlichen Gärten hat Anja beim Goldwaschen am Fluss tatsächlich ein
winziges Nugget gefunden.
Danach sind wir nach Melbourne gefahren, um die Freundin von Anja's Oma
(die vor über 50 Jahren ausgewandert ist) zu besuchen.
31. Dezember
Elisabeth hat uns ein "australisches" Frühstück (Eier mit Speck) gemacht
und nach einer Dusche sind wir weiter nach Phillip Island gefahren. Dort
angekommen erfuhren wir, dass uns für wildes Campen teure Bussgelder erwarten.
Nach dem wir gerade noch ein Stück Wiese auf einem Campingplatz ergattern
konnten, sind wir bevor die Sonne unterging noch schnell ins Meer gehüpft.
Unser Silvesteressen bestand aus Nudeln mit Tomatensoße und später haben wir
am Strand mit einer kleinen Flasche Sekt aufs Neue Jahr angestoßen. Da wegen den 41 Grad
tagsüber ein "Total Fire Ban" angesagt war, gab es in der nächtlichen Bucht
von Melbourne leider wenig Feuerwerk zu sehen.