3. Februar
Heute sind wir endlich weiter, obwohl wir uns so eingelebt hatten in unserem neuen
Freiluft-Heim. Wir sind nach
Hahndorf, in den 'Adelaide Hills', eines der
vielen Dörfer mit deutscher Vergangenheit.
Hahndorf selber versucht, auf jedenfall sehr künstlich und aufgesetzt, mit seiner
deutschen Vergangenheit Geld zu machen. Dabei ist fast kein Nachkomme mehr dort, und viele
deutsche Orte haben sich nach dem ersten Weltkrieg umbenannt, da sich eine ausgesprochene
Deutschfeindlichkeit breit machte. Es wurden sogar deutsche Siedler in Internierungslager
gesteckt.
Die Damen in der Stadtinfo selber waren keine Nachkommen deutscher Siedler und
sprachen kein Wort Deutsch. Die Übersetzung der Stadtführung, die man kaufen konnte,
hat scheinbar auch jemand gemacht, der Deutsch ein halbes Jahr in der Abendschule hatte.
Eine Bratwurst mit Kartoffelsalat hat uns aber ein wenig Heimatgefühl gegeben.
Abends sind wir noch nach Adelaide gefahren, und haben gemäß dem Tipp einer dänischen
Krankenschwester am Strand übernachtet. Was für eine Nacht! Bei jedem Auto dachten
wir, es wäre der Ranger, der uns eine Strafe für illegales Campen aufbrummt.
Dazu haben ein paar Typen die ganze Nacht eine Art Mini-Strandparty gemacht.
04. Februar
Auf jeden Fall waren wir froh, es am Morgen hinter uns zu haben. Anja war vor mir auf
und hat schon ein paar schöne Strandfotos gemacht.
Zum Frühstücken (mit frischen Brötchen, man höre und staune!) sind wir in den Badeort Glenelg
gefahren und haben auf dem Rasen der spießigen Strandpromende gepicknickt.
Anschließend haben wir gleich den Museumsbesuch gemacht, den Jens in Adelaide vor hatte.
Das Hai Museum vom bekannten Haiforscher Rodney Fox war nämlich zufällig genau hinter uns.
Die Besichtigung der City selbst fiel
etwas kurz aus und hat uns auch nicht gerade vom Hocker gerissen.
Die Schliesszeiten der Foodcourts dagegen werden uns immer wieder
"beeindrucken". Um 17 Uhr (spätestens!) ist alles weggeräumt und wir mußten uns in einer
Nebengasse Chinatowns was zu beißen suchen.
Morgen wollen wir noch mal den Norden der Stadt anschauen, noch mehr Parks und Wohngebiete, mit denen
die Stadt ihrem Ruf einer Country-Town gerecht wird.
Danach gehts raus, Richtung Outback !
06. Februar
Als wir heute morgen außerhalb von Adelaide auf einer Rest Area erwachten, dachte ich,
ein Haus zu sehen, was gestern noch nicht da war.
Dies lag aber nicht daran, dass ich die Brille noch nicht aufhatte, sondern an dem
Haus was da neben uns auf einem Track rumstand. Hier ist es wohl üblicher, sein Haus richtig
komplett zu kaufen und sogar damit umzuziehen. Aus dem einen wurden 2 und
im Laufe unserer Fahrt begegneten uns 5 Schwertransporte mit verschiedenen Eigenheimen.
Sonstige Highlights heute: Wir haben unsere erste tödliche Spinne 'eine Redback'
im Damenklo eines Rastplatzes entdeckt. Und wir waren im selbsterklärtem "Mittelpunkt des
Universums" Port Augusta, wo wir das letzte mal vergeblich einen Internetzugang suchten.
Und zum Sonnenuntergang waren wir schon im Outback, zunächst
in Pimba, einer 40 Seelengemeinde bzw. nächtigten wir vor dem Roadhaus.
07. Februar
Mittlerweile ist der Sand wirklich so rot wie man ihn von den Bildern kannte. Und
einige Kilometer nördlich wurde mitten in diesem Nichts aus Sand und Büscheln 'Roxby Downs'
errichtet.
Der Ort verdankt seine Existenz den reichen Gold, Silber, Kupfer - und
Uranvorkommen, die nun die Männer der Stadt in den Minen abbauen.
Die Leute genießen die Vorteile einer modernen Stadt mit Schwimmbad, Shoppingcenter, grünen
Parks usw.
Die mit auffällig großem Kinderreichtum gesegneten Frauen treffen sich tagsüber alle zum
Kaffeeklatsch und Kindersport in der Gemeindehalle mit schickem Cafe. Da waren ca.
30 Frauen mit noch mehr kreischenden Kindern.
Das ist da, wo auch die Touristinfo ist.
Wir waren sehr überrascht von der Freundlichkeit Aller hier.
In der Bibliothek durfen wir ewig kostenlos Wireless ins Internet. Die Kinder, die hier
ihre Hausaufgaben machen, wurden sogar aufgefordert, uns nicht zu stören.
Wahrscheinlich freuen die sich hier über jeden Besuch, oder sie sind einfach so glücklich,
weil sie so reich sind.
08. Februar
Wir haben es heute abend gerade so noch nach Coober Pedy geschafft. Wir wählten den
Umweg über die unbefestigte Straße, die anfangs so schlecht war, dass wir mit
10 h Fahrt rechneten. Später ging es zwar, aber es gab soviel zu sehen in der Wüste,
dass uns zum Anhalten zwang: Wasser-Bohrtürme, Baufahrzeuge, Seen, Kakaduschwärme,
Diesellager und verschiedenen Überbleibsel der alten Zugstrecke des 'The Ghan'.
Letztlich mußten wir noch in 'Williams Creek' halten, weil aus unserer Hinterbremse
eine klebrige Masse rausquoll. Dieser "Ort" besteht aus
Tankstelle und Pub. Einwohner: 12.
Der Tankstellerwärter / Pub-Besitzer hat für nur 15 Dollar unser Autohinterteil auf
seinen Gabelstapler gehievt und mal nachgeschaut. Er meint die letzten weiteren
140 Kilometer durch die Wüste seien kein Problem, ist nur Silikon.
Seine Bar ist gepflastert mit Andenken (Visitenkarten, Baseballcaps, BH's, ...) von
tausenden durchfahrenden Touristen, die hier aufschlugen. Leider haben wir vergessen,
ein Foto zu machen, weil wir vor der Dunkelheit noch durch die Wüste wollten.
Später haben wir im Reiseführer gelesen, dass sowohl der Ort als auch der so kreativ
dekorierte Pub berühmt sind.
10. Februar
Die beiden letzten Tage haben wir in der bisher beeindruckensten Stadt Australiens verbracht.
In
'Coober Pedy' werden die meisten Opale der Welt gefördert. Im großen und im kleinen
Stil, denn hier hat fast jeder sein eigenes Riesenstaubsauger-Auto in der Einfahrt stehen.
Sie sehen aus wie umgebaute Zementmischer. Damit wird Dreck aus 30 Meter tiefen Löchern
angesaugt und hinter dem Auto wieder ausgeschieden. Dann wird dort drin nach Opalen gewühlt.
Wegen der Hitze dort wohnen die Hälfte der Einwohner in sogenannten "Dug Outs",
in Höhlen, die sie in die Erde oder in Hügel graben.
Wir wollten das auch mal erleben und haben uns eine Nacht im "Underground Motel" gegönnt.
In einem größeren Hügel gelegen, hatten wir eine wunderschöne Aussicht über die
sandige Hügelstadt. Innen grobe Steinwände, angenehme Kühle und gedämpfte Ruhe. Belüftet
wird das ganze mit Rohren, die überall oben aus den Hügeln ragen.
Eine Minentour haben wir auch mitgemacht, sind durch enge Gänge gekrochen und haben
Opaladern in der Wand "entdeckt".
Auch die Umgebung von Coober Peedy, die Wüste mit teils mondartigen Kratern,
lockte und lockt viele Filmemacher an.
Filme wie 'Pitch Black' mit Vin Diesel oder 'Mad Max' mit Mel Gibson wurden
hier gedreht.
11. Februar
Eigentlich wollten wir heute zum Uluru, dem roten Riesen-Klumpen im Herzen Australiens.
Als wir die Grenze zum 'Northern Terretory' überschritten hatten, waren wir noch gut drauf.
Wir hatten gerade den 6. Bundesstaat betreten, der eigentlich gar keiner ist - auf eigenen
Wunsch. Wegen unzähliger deutscher Touisten an der dortigen Raststätte, mußten wir sogar
im Outback am Klo anstehen.
Nachdem wir die bisher teuerste Tankstelle passiert hatten, die abgeschlossene Zapfsäulen
hatte, fiel plötzlich unser Öldruck ins Bodenlose.
Mitten im Outback mussten wir also ungeplanterweise kehrt machen und
200 km nach Alice Springs fahren, um eine Werkstatt zu finden. Das taten wir, und zwar wie
auf rohen Eiern. Nach einigen Kilometern war ich fast sicher, dass es nicht die Ölpumpe war.
Voller Bangen übernachteten wir an einem Roadhaus, wo Anja einen berühmten singenden Dingo
auf dem Klavier begleitete.
12. Februar
Zitternd sind wir weiter nach
Alice Springs gefahren und haben nach acht Werkstätten,
die wir abklapperten, endlich einen Termin bekommen.
Schliesslich haben die nur einen Ölwechsel gemacht und den Öldruck im Motor gemessen.
Nach dem Wechsel war der Druck wieder völlig normal. Das Öl ist einfach nur zu dünnflüssig
geworden. Wahrscheinlich zu billiges Öl in zu heißem Klima.
Ein bißchen Sightseeing haben wir dann noch gemacht und uns auch die
Original Wasserquelle mit Telegrafenstation angesehen, aus der später die Stadt gegründet
wurde.
13. Februar
Für den zweiten Anlauf, den
Uluru (Ayers Rock) zu besichtigen haben wir eine ungeteerte
Nebenroute gewählt. Diese führte durch Aboriginal-Land und bestand aus wunderbar feinem
roten Sand, auf dem es sich aber leider wie auf Wellblech fährt. Dementsprechend lang
dauerte es, aber allein der wilden Kamele wegen hat sich das schon gelohnt.
Kurz vorm Ziel tauchte er plötzlich auf, ein riesiger Fels, der aus der flachen Ebene
herausragt. Dies war allerdings der Mount Conner, der oft fälschlicherweise mit dem Uluru
verwechselt wird, wie wir später erfuhren. Was nicht heißen soll, dass er es nicht wert
sei, im Gegenteil. Nur dass der Uluru eine noch einzigartigere Form hat, wie wir dann
feststellten. Er ist viel zerklüfteter und vielseitiger als man aufgrund der typischen
Postkartenfotos erwartet.
Interessant sind auch die weniger bekannten Olgas (50 km weiter),
eine Anreihung unterschiedlicher „Felsköpfe“. Bei Sonnenauf bzw. -untergang werden all diese
Gesteinsformationen in die unterschiedlichsten Farben getaucht. Am Uluru haben wir diesem
Schauspiel bis zur Dunkelheit beigewohnt. Anschließend mussten wir eine Stunde im
Schneckentempo um all die Kängurus und Rinder Slalom fahren, um zu unserem Rastplatz
außerhalb des Nationalparks zu kommen.
16. Februar
Eben noch im Zentrum Australiens und heute schon vor der Grenze Westaustraliens. Obwohl
die genauso mitten im Nichts liegt. Die letzten Tage sind
wir wieder Richtung Süden und haben die Abkürzung über eine Sandstraße durchs Nichts
genommen (oder wenigstens riesige Rinder bzw.- Schaffarmen), so dass wir heute schon auf
dem Eyre Highway Richtung Westen waren.
Seit dem Städtchen Ceduna, dem offiziellen
Startpunkt der
Nullabor-Plain-Durchquerung (lateinisch - baumlose Ebene), haben wir schon
über 500 km hinter uns. Darunter auch die 44km Nullabor, die man tatsächlich streift
und keinen einzigen Baum sieht. Weiter nördlich ist sie beinahe endlos und geht dann in die
"Great Victoria Desert" über.
An der Steilküste haben wir dem Sturm zum Trotz unser letztes Gemüse verkocht, weil wir
morgen wieder eine Quarantänegrenze überschreiten.
18. Februar
Nun sind wir in „Western Australia“ angekommen und heute nach weiteren etlichen Kilometern
Nichts dann in „Norseman“. Dies ist die erste Stadt, die einen empfängt und einem ein
Zertifikat über die erfolgreiche Ost-West Durchquerung auf den Spuren von „John Eyre“
(Entdecker) aushändigt. Das war auch angemessen, wo wir doch gestern wieder den ganzen Tag
gefahren sind. Immer geradeaus – 150 km im wahrsten Sinne des Wortes, die längste gerade
Strecke Australiens. Das Ganze bei über 40 Grad im Schatten, den es aber nur an der
Tankstelle gab, wo das Thermometer hing.
Nein im Ernst, man ist ja froh wenn man im gekühlten Auto fahren darf. Die Zeit kann man
sich ja mit Zählen von Kängurukadavern am Straßenrand vertreiben - ca. 20 pro Stunde.
In Norseman selber gibt es nur Wellblechkamele und ‚Norseman’- das Pferd, in Messing gegossen,
und zu sehen. Angeblich hat dieses Pferd mit seinem Huf den ersten Goldklumpen ausgescharrt,
der den Goldrausch hier begründete. Wichtiger war, dass wir zu entscheiden hatten, ob wir die
Nordroute über Kalgoorlie oder die südliche über Esperance (angeblich einige der schönsten
Strände Australiens) nehmen. Ein Buschfeuer entschied, dass wir unten rum mussten.
Also nichts mit dem „Superpit“ (Riesenloch), der größten Tagebau-Goldmine der Welt,
stattdessen die schönsten Strände Westaustraliens.
Denkste!
Die eine Straße wegen Feuer gesperrt, die andere führte uns in ein absolut bescheidenes grauer
Nieselwetter. Weder das Meer war blau noch der „Pink Lake“ in Esperance pink!
20. Februar
Die letzen ‚Meter’ nach Perth haben wir heute hinter uns gebracht. Zwei Tage sind wir durch
den sogenannten
Weizengürtel gefahren. Obwohl Gürtel etwas untertrieben ist bei einer Fläche ca.
so breit wie Deutschland. Meilenweit nur (bereits abgeerntete) Weizenfelder. Anders als in
Deutschland trifft man nicht regelmäßig auf kleine Dörfer oder Städtchen, sondern alle
hundert Kilometer!!! ein Städtchen.
Viele, die nicht ohnehin hier durch müssen, nehmen
trotzdem den Weg auf sich, um den „Waverock“ zu sehen. Dort hat die Natur eine große
versteinerte Welle stehen lassen, auf der natürlich auch wir mal für ein Foto surfen wollten.
21. Februar
Auf eines kann man sich in Australien scheinbar verlassen: einen Job zu finden geht fast schneller als man vorhat. Da sind wir gerade in Perth angekommen, haben uns eine billige Hütte auf dem Campingplatz gemietet und morgen dürfen wir in der größten Gärtnerei Australiens, im Norden von Perth, anfangen zu arbeiten. Dummerweise ist das fast 40km weg, das heißt früh aufstehen.
27. Februar
Nach anfänglichen Schwierigkeiten (beinahe Kürzung des vereinbarten Lohns, gänzliches
Degradieren zum Unkrautzupfen) sind wir jetzt nun ganz zufrieden mit unserem neuen Job.
Morgens sortieren wir die Pflanzen nach Lieferbezirken, helfen beim Labeln, Unkraut zupfen
usw. und Nachmittags stellen wir konkrete Bestellungen für IKEA, Baumärkte oder
Landschaftsgärtner zusammen. Das ganze für einen festen Stundenlohn, der mehr verspricht
als nach Kilo bezahlte Kirschen.
Auch die 1,5 h Berufsverkehr in Perth haben sich nun erledigt. Wir mussten vom Campingplatz ausziehen,
weil sie diesen für irgendeine Religions-Veranstaltung komplett schließen. Trotz der Eile
haben wir aber ein günstiges und schönes Zimmer viel näher an der Arbeit gefunden.
Mit einem Mitbewohner teilen wir Bad und eine große Wohnküche.
29. Februar
Wie es aussieht teilen wir unsere Unterkunft vor allem mit unserem Vermieter - Derek ist sein Name.
Der kommt nämlich ständig ohne anzuklopfen rein und erklärt uns irgendwelchen Schwachsinn.
Welchen Aufwaschschwamm wir z.B. benutzen sollen oder wie man einen Müllbeutel (seiner Wahl!)
in den Eimer platziert.
Das kann die nächsten Wochen noch interessant werden!
Auf Arbeit läuft alles, auch wenn wir mehr Überstunden haben als uns lieb ist.
Anja ist nebenbei auch noch erkältet. Zum Glück ist jetzt Wochenende und wir haben die
Videothek gleich um die Ecke.