01. Januar 2008


Happy New Year 2008!

Pünktlich 10 Uhr heute morgen (0:00 Uhr MEZ) haben wir das neue Jahr mit einem lauten Knall begrüßt. Ungewollter Weise allerdings, den leider ist unser 60l Wassertank beim Befüllen geplatzt. Der Druck aus der Leitung war wohl zu hoch. Sturzbäche liefen aus allen Enden des Wagens und wir mußten erstmal alles trocken legen.
Aber für eine kleine Inselbesichtigung hat der Tag noch gereicht. Insbesondere weil wir die "Hauptattraktionen" wegen unverschämten Abzoger-Preisen schnell hinter uns liesen. Stattdessen sind lieber abseits von Touristenrouten die Küste entlang spaziert zu einem Schiffswrack oder was davon nicht mehr übrig war (uns erwartete ein verrosteter Anker).


02. Januar


Auf dem Weg zurück nach Melbourne haben wir bei Koo Wee Rup erstmal den Tank ausgebaut und die Zweitbatterie wieder angeschlossen. Wie es aussieht, scheint sonst alles o.k. zu sein und wenn wir den gleichen Tank finden, ist auch der Einbau nicht problematisch.
Außer ein paar Farmen gibt es hier an der Landstraße nicht viel. Wie das Glück so will, sind wir genau zwischen zwei "Cattle Farms" gelandet, die offen sind für Besucher. Eine Kuhfarm mit Kälbchen und Schafen, wo man beim Melken zuschauen kann. Die andere hatte ein Freigehege mit Teich, in dem u.a. Kängarus rumhopsten, die man sogar streicheln konnte. Anders als erwartet (bei Beutelratten) sind die total weich, wie Zwergkaninchen. Unsere ersten Wombats haben wir dort auch gesehen, die wiederum größer waren als wir annahmen.


05. Januar


Nach dem wir die letzten Tage vergeblich mit der Suche nach einem neuen Wassertank verbracht haben, sind wir heute endlich weiter nach Melbourne.
"Idealerweise" war dies wieder einer der heißesten Tage. Aber wir hatten ja vor mit dem kostenlosen Shuttelbus zu fahren, der durch die Stadt kreist.
Das War-Memorial kann es nicht mit dem Völkerschlacht-Denkmal aufnehmen, man sollte es aber gesehen haben - sagt man?! Der Botanische Garten ist dagegen wirklich einen Abstecher wert. Bis zum Gefängnis, wo Ned Kelly gehängt wurde, hat uns der überklimatisierte Bus noch gebracht.
Ab 17:00 Uhr mußten wir laufen, durch die Stadt bis ans andere Flussufer, zum Crown Casino, was zu unserer Rettung freien Wasser Ausschank hatte. Dort gewann ich zehn Dollar beim Roulette (bei 50 Dollar Einsatz, mehr wollte ich von der knappen Reisekasse nicht aufs Spiel setzen).
Irgendwie haben uns unsere Füße zurück zum Auto gebracht und dieses Richtung Südwesten an eine Raststätte mit Dusche nahe Geelong.


07. Januar


Schon 2 Tage in Geelong: Am Sonntag Abend haben wir Würstchen am öffentlichen BBQ gegrillt und sind danach zur Landungsbrücke spaziert. Leider beherbergt diese heute ein "All you can eat" Restaurant. Entlang der Uferpromenade gab es aber jede Menge der lustigen "Famous Bollards" (bemalte ehemalige Poller des Hafens) zu entdecken.
In einem Klempnerladen am Ende der Stadt haben wir heute tatsächlich genau unseren Wassertank gefunden. Das haben wir gleich mit einem super leckerem Eisshake bei Wendy's gefeiert. Danach wollten wir noch ins Kino: in "I am Legend", wo wir uns schon seit Wochen drauf freuen. Weil morgen aber Kinotag ist, gehen wir dann früh bevor wir weiter fahren - auf die "Great Ocean Road", die hinter Geelong beginnt.


08. Januar


Vormittags waren wir noch im Kino, in "I am Legend" mit Will Smith, bevor wir endlich den offiziellen Beginn der Great Ocean Road passiert haben. Nach den ersten schönen Küstenkilometern sind wir gegen Abend zu einer Rest Area in den Wald abgebogen.
Kurz darauf hätten wir beinahe unseren ersten Koala überfahren. Ein ziemlich altes, zerzaustes Exemplar ... aber nicht sehr scheu und ich war ziemlich aus dem Häuschen. Warum ein vorbeikommendes Auto dem kaum Beachtung schenkte, wußten wir, als wir 100 m weiter auf dem kostenlosen Campingplatz ankamen: Überall Koalas in den Bäumen, direkt um unser Auto rum.


09. Januar


Heute morgen entdeckten wir sogar eine Mutter mit Kind auf dem Rücken, die ab und zu mal die Bäume wechselte. Und dann kam "Frank" anmaschiert, um die jungen Blätter von einem Baumstumpf zu futtern. Dabei ließ er sich auch von der Horde von Kindern, die ihn wie wir streichelten, nicht irritieren.
Auch sonst ist es wunderschön hier, mit Steg und Booten am Fluss, was mich an meine Jugend an der Mecklenburger Seenplatte erinnert. Fehlt nur noch die Fischlizenz (die ich mir für paar Dollar kaufen werde) und dann bleiben wir wohl ein paar Tage hier.
Keine zwei Kilometer weiter ist der Ozean und der Fluss mündet (normalerweise) im Ozean. Im Sommer sind viele Flüsse ausgetrocknet oder zu schwach, um bis ins Meer zu kommen. Sie bilden kurz davor ein "Estuary", das Ende des Flusses, dass immer mal von eindringendem Meerwasser überspült wird. Dieses Brackwasser ist ein einzigartiger Lebensraum und "Aufzucht-Station" für viele Wasserbewohner, weswegen das vorsätzliche Zerstören eines "Estuarys" unter Strafe, bis hin zum Gefängnis steht !


10. Januar


Leider wurde uns gleich morgens die Vorfreude auf selbstgefangenen (Grill-)Fisch von einem Ranger vermiest, der uns beim Frühstück über ein "Total Fire Ban" in Kenntnis setzte. Dies verbietet sogar die Nutzung unseres Campingkochers (Strafe bis zu 12000 Euro !!!).
Dummerweise hatten wir nur Vorräte zu deren Zubereitung es einer Wärmequelle bedarf. Daher mußten wir ins 45 km entfernte Apollo Bay fahren, um überteuerten Dosenfisch zu kaufen. Ist ja nicht so, dass an der berühmten Touri-Route viele Orte oder gar Geschäfte wären. Die ersten Angelversuche haben wir trotzdem gemacht - ohne Erfolg!


11. Januar


So schön es hier auch ist, der anhaltende Fire Ban und die Erfahrung der letzen Nacht haben uns heute unsere Reise fortsetzen lassen. Gestern Abend mußten wir nämlich feststellen, dass wir unser Schlafzimmer in 3,5 Sek durch die Seitentür evakuieren können. Vorausgesetzt da ist eine handtellergroße, widerliche Spinne gleich neben dem Kopfkissen. Da sich diese nach der Giftspraybehandlung unserem Sichtfeld entzog und wir sie im Dunkeln weder finden noch sicher auf ihre Verendung in einer dunklen Ecke vertrauten, haben wir die Nacht unter freiem Himmel verbracht. Zum Glück waren wir schon an das angsteinflößende nächtliche Röhren gewöhnt, welches (schwer vorstellbar) von den niedlichen Kuschelbärchen ausgeht.
Die Spinne hatte sich übrigens netterweise zum Sterben gut sichtbar am Vorhang platziert, so dass wir heute morgen nicht wie befürchtet das komplette Auto auseinander nehmen mußten.


12. Januar


Nach einer schier endlosen Sichtung von Küstenfelsformationen an der Great Ocean Road sind wir nun im Dörfchen 'Panmure' gelandet. Hier gibt es außer einer Töpferei (in der wir zwei Nackedeie gekauft haben) nur einen Sportplatz, wo man in der Damenumkleide duschen kann... nagut und das übliche Tankstellen-Post-Kiosk-Lädchen.


13. Januar


Unsere einseitige Ernährung von Fischdosen mit Brot (immerhin auf den öffentlichen BBQ Grills geröstet) wurde heute durch den seltenen Genuß von Käse mit Baguette unterbrochen. Den haben wir aus der "Cheese & Butter" Fabrik, die uns in ihr Museum mit Verkostung gelockt hat. Das Ganze ist in der Nähe von Warrnambool, wo wir heute an der Pier fischen waren. Da das trotz dem selbstgebauten Köder-Fischchen aus Aluminiumfolie nicht erfolgreich war, haben wir den Käse um so mehr geschätzt.


14. Januar


Nachdem wir nun eine Firma gefunden haben, die uns unseren neuen Wassertank fachmännisch und wasserdicht an unsere Anschlüsse befestigen konnte, war die Wasserversorgung wieder gesichert.
Danach sind wir weiter nach Narrawong gefahren, auf einen Rastplatz im Wald. Als erstes hab ich mich bei einem Camper nach den Fischmöglichkeiten erkundigt. In Anbetracht der Zeit haben wir uns für den näher gelegenen Fluss entschieden. Hier versuchte ich mein Glück mit gekauften Würmern. Erfolglos. Mit der Reuse habe ich aber immerhin den ersten lebenden Köderfisch gefangen. Hoffentlich klappt es damit!


16. Januar


Wie schon gestern waren wir heute wieder in Portland. Irgendwie hat es uns der Ort angetan. Auch die Bohrinsel vor der Hafenbucht läßt alles interessant aber nicht abstossend wirken. Selbst der mäßige Erfolg gestern heizte meinen Ergeiz nur an, hier was an Land zu ziehen. Beim Angeln an der Pier wollte uns nebenbei eine Robe beeindrucken, in dem sie mit ihrem selbstgefangenem Fisch spielte. Später schwam sogar ein riesiger Rochen direkt am Ufer lang! Leider war ich mit der Kamera nicht schnell genug !
Während Anja schon ein wenig die Stadt erkundete, habe ich versucht, meine Strategie weiter zu verbessern. Ich probierte es mit "Pipis" (Muschelfleisch) und dann mit kleineren Haken, bis ich letztlich unser Abendbrot zusammen hatte.
Juchu! Jetzt blieb nur noch die Aufgabe, den Fang zu erlegen bevor wir ihn mit Röstkartoffel, Kürbis und selbstgebackenem Brot verspeisen konnten.


18. Januar


Die letzten beiden Tage haben wir mehr im Auto verbracht. Mir gings nicht so gut (wahrscheinlich weil ich beim Fischen halb ins Meer gefallen war ;-) und außerdem hat es nur geregnet. Nach so einem Regen, wenn die Luft dampft, hat man das Gefühl da hätte jemand ein Erkältungsbad gemacht. Ein intensiver Eukalyptusduft erfüllt die Luft. Leider dient es nicht so dem Wohlbefinden wie ein Dampfbad, wenn man in feuchtem Tröpfelwetter Kochen oder Pullern gehen muß.


19. Januar


Das Wetter ist nicht viel besser, trotzdem sind wir nochmal nach Portland gefahren. Nicht nur weil's langweilig ist im Auto, auch weil wir uns die Stadt nach dem ganzen Angeln mal genauer ansehen wollten. Zuerst sahen wir uns eine Wal-Ausstellung in der Stadt-Info an und saßen eine Stunde vor dem Video über das Leben dieser Meeresbewohner. Portland ist einer der seltenen Orte der Welt, an dem man Blauwale 1-2 km vor der Küste beobachten kann. Das liegt an einer besonders nährstoffhaltigen Strömung hier. Leider war die Flagge an der Tourist-Info nicht gehisst, was bedeutete, das man welche gesichtet hat.
Danach haben wir einen Stadtspaziergang gemacht, auf welchem man die Häuser der ersten Siedler von 1850 mit Begleitbroschüre abwandern konnte. Leider war das Interessanteste, ein kleines Hüttchen der ersten Mädchenschule, was heute in die Mauern eines Internates integriert ist, nicht zugänglich.
Abends waren wir in einem kleinen Restaurant Essen, was tagsüber ein Cafe mit Eisdiele ist und in Holzregalen an den Wänden selbstgemachte Bonbons mitverkauft.


20. Januar


Für unsere Weiterfahrt nach Südaustralien haben wir den direkten Weg durch den Wald genommen. 5 Minuten später waren wir ganz froh einen Allrad zu haben. Der Weg fiel plötzlich total steil ab um nach einer Autolänge wieder absolut steil anzusteigen. Vorsichtig runter und ohne Anlauf wieder hoch... für das Auto kein Problem. Zufrieden erreichten wir den Highway und machten einen Abstecher zum Lighthouse, wo es ganz schön stürmisch war.
Auf der Fahrt Richtung südaustralischer Grenze hatten wir ordentlich zu tun, alle Möhren und Orangen zu verdrücken. Die verbieten aus Angst vor Fruchtfliegen jedwede Einführung von frischem Gewächs. Abends wollte Anja in Port MacDonnell die Ankunft der Pinguine beobachten. Der Tip, sie hier umsonst zu sehen, kam von Arbeitskollegen. Die Einheimischen waren sehr wortkarg, als wir nach der richtigen Stelle fragten und wir warteten lange dort. Leider umsonst.


21. Januar


Gestern abend haben wir es irgendwie noch zum Rastplatz am Fuße des Mount Schank geschafft. Erst heute morgen realisierten wir, dass es sich hierbei um einen Vulkankrater handelt. So machten wir uns also an den Aufstieg und hatten schon kurz nach dem Frühstück das erste Highlight des Tages. Unser erster Vulkan! Das hat sich gelohnt, auch wenn sich Jens beim Abstieg ganz doll den Kopf gestoßen hat.
Den Blue Lake, ein wirklich absolut blauer See vulkanischen Ursprungs, haben wir eher zufällig entdeckt. Die wirklichen Attraktionen sind in Australien immer sehr schlecht ausgeschildert. Ehemalige Stellen einstiger Dorfschulen sind dagegen sehr sorgsam ausgeschildert, auch wenn kein Stein mehr zu finden ist. Jedenfalls hat Mt. Gambier neben vulkanischen Seen auch interessante Höhlen mitten in der Stadt.
Bei unserer kleinen Stadtbesichtigung haben wir das "Jens Hotel" entdeckt und das zum Anlass genommen, unser erstes sogenanntes 'Counter Meal' zu bestellen. Das ist eine günstige Mahlzeit, für die eher Einheimische in die Hotels kommen.
Ein Hotel bezeichnet hier nämlich eher einem Dorfgasthaus mit Spielsalon. In gemütlicher Atmosphäre mit Fernseher, kann man sich für wenig Geld ein Gericht bestellen und dazu noch am Buffet bedienen. Geschaut wird meistens Sport, und zwar entweder gähnend langweiliges Cricket oder Rugby oder AFL, auch 'Footy' genannt, eine australische Erfindung irgendwo zwischen American Football und Rugby, aber die 'Aussies' spielen es ohne jegliche Schutzkleidung. Entsprechend lang fallen im Fernsehen die Verletzungsmeldungen der Spieler in den News aus.


22. Januar


Wer sagt eigentlich Australien wäre menschenleer!? Heute wurden wir von einem Rasenmäher geweckt, gestern kam erst ein Kehrauto, dann der Müllwagen ... und immer ist genau dann ein Auto da, wenn man gerade abbiegen oder wenden will.
Die Küste nach Adelaide hoch haben wir heut kurz Beachport angesehen, ein vom Meer fast vollständig umrandeter Ort mit azurblauem Wasser. Nicht weit davon liegt die kleine Stadt Robe.
Da beiderorts für wunderchöne 4x4 Strecken in den Dünen geworben wurde, wollten wir uns das nicht entgehen lassen. Das war schon spassig, auch als wir 6 Anläufe brauchten um eine Düne zu überwinden. Als wir dann aber stecken blieben und in brütender Hitze unsere Räder freigraben mußten war es nicht mehr ganz so lustig. Ein Spaziergänger hat uns dann rausgeholfen. Auf den Schreck gab es dann im Ort erstmal ein Eis.


23. Januar


Die gestrige Nacht haben wir im Coorong Nationalpark verbracht. Hinter den Dünen konnte man für 5,- AUD übernachten. Der Park besteht aus einer über 100 km langen schmalen Halbinsel, die eine ebenso lange Salzlagune einschließt. Dies ergibt einen einzigartigen Lebensraum mit lauter rotvioletten Büscheln.
Den ganzen Tag sind wir an unzähligen Salzseen entlang die Küste hinauf gefahren. Als wir schließlich per Fähre den Murray River, den größten Fluss Australiens überquert hatten, waren wir auf der Fleurieu Peninsula. Hier haben wir auf der sehr schönen "Langhorne Creek" Rest Area bei Strathalbyn, einem süßen kleinen Städtchen schottischer Siedler, unser Lager aufgeschlagen.


24. Januar


Nach einer teuren Dusche auf dem örtlichen Campingplatz (die öffentliche an der Info war mit Gartengeräten zugestellt) sind wir nach Victor Harbor gefahren. Ein netter Küstenort, der eine nicht weit entfernte vorgelagerte Insel 'Granite Island' hat. Per Pferdetram kann man hinüberfahren.
Wir sind gelaufen und haben jede Menge Meeresbewohner im klaren flachen, mit Seegras überwuchertem Wasser beobachtet. Stachelrochen, Seesterne, Fische, sogar einen Seelöwen haben wir gesehen. Die Hauptattraktion der Insel, Pinguine die Nachts an Land kommen, haben wir aus Zeitgründen und weil der Zugang dann wieder mal unverschämt teuer war, nicht mitgemacht.


31. Januar


Die letzen Tage hatte es mich total niedergehauen, die Erkältung, die ich mir in Portland geholt habe, hat sich zu einer Virusinfektion ausgebreitet. Um mich zu erholen, haben wir die letzte Woche auf der Rest Area verbracht und nachmittags Kakao und Kekse verdrückt. Anja ist ab und an zu Fuß ins Dorf wegen einen Brötchen, was in der Einöde meißt weniger erfolgreich war.
Das Auto haben wir nur ab und zu bewegt um einzukaufen, beim Arzt Antibiotika zu holen und einmal um unsere hinteren Bremsen wechseln zu lassen. Dabei haben wir auch die Rad-Tour 'Down Under' wieder getroffen, deren Etappenziel auch Strathalbyn war.
Abends gab's erst das durchaus unterhaltsame Ameisen Kino (Ameisen beim Wegtransport unserer Essensreste) und später ein Filmchen auf dem Laptop.









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Mr Floppy