06. Juli


Eine weitere Woche ist geschafft und Anja auch. Nach ihrer über 90 Stunden Woche ist sie schon etwas mitgenommen. In Ihrer kurzen "Umziehpause" mache ich ihr was zu Essen aus all den Sachen, die wir von der Arbeit abstauben. So gesehen lohnen sich diese Art Jobs finanziell doch mehr als man denkt. Immerhin scheint es hier Mindestlohn zu geben, denn wir haben für jeden "Hilfsjob" nie weniger als 1000 Euro netto den Monat bekommen. Die Wirtschaft boomt trotzdem ! Und außerdem sind die Arbeitgeber auch viel flexibler als bei uns: Sie stellen jeden nach Fähigkeit ein und nicht nach Zeugnissen etc... Hier unten lernt z.B. einer Restaurantfachmann, um dann z.B. in einer Bank zu arbeiten usw.


13. Juli


So geschafft! Letzte Schicht überstanden. Die Australier sind übrigens auch nur Menschen, es gibt Selbstverliebte und auf ihren eigenen Vorteil bedachte. Das merkt man, wenn man hier lebt und arbeitet. Komischerweise lassen sich doch viele von ihrem Grinsen und ihren Redewendungen etwas blenden. Wir nicht, dann lieber die ehrliche Zurückhaltung der Deutschen.


14. Juli


Bevor wir aufbrechen und damit auch "Western Australia" verlassen, wollen wir das Auto noch hier zulassen. Das ist für den Weiterverkauf besser, da hier Fahrzeughalterwechsel, Verlängerung usw. schon online möglich ist. Außerdem brauchen wir uns dann an der Ostküste damit nicht aufhalten.
Gestern dachten wir jedoch es würde Probleme geben wegen dem TÜV, da die Werkstatt plötzlich keine zeit hatte. Im Gegenteil, heute lief das ganz locker von der Bühne (evtl. war es ganz hilfreich, dass ich mit ein paar Brocken in seiner rumänischen Muttersprache glänzen konnte). Jedenfalls bestand die Prüfung darin, einmal ums Auto zu laufen und mich zu fragen ob alles ok sei. Fertig!? Und wir haben uns Sorgen wegen der Reifenprofile, drei Steinschlägen in der Frontscheibe oder was sonst dem deutschen TÜV so auffällt, gemacht. Auch wenn uns das jetzt gelegen kam, macht man sich bei dem Standart schon ein wenig Gedanken über seine Sicherheit im Straßenverkehr.


16. Juli


Heute morgen noch schnell zur Zulassungsstelle, um das Formelle zu klären. Das wäre beinahe schiefgegangen, weil man von uns einen Eigentumsnachweis für das Auto sehen wollte. Den Kaufvertrag hatten wir bei der Ummeldung in Queensland vorgelegt und uns als neue Besitzer vermerkt, die hatten es aber versäumt, uns irgendeinen Nachweis dafür auszuhändigen. Das haben wir gar nicht gemerkt. Außer der Quittung für die Gebühr hatten wir keinen Beweis, jemals irgendwas dort vorgenommen zu haben. Auf drängen und flehen hat sich die Beamtin zum Glück erweichen lassen, uns eine Zulassung und nun auch Eigentumsbestätigung auszuhändigen. Puuh!!
Nach fast 5 Monaten in Westaustralien haben wir diesen Staat heute mit glänzenden neuen WA-Nummernschildern verlassen, d.h. vorher haben wir noch kurz vor der Grenze zum "Northern Territory" einen kurzen Abstecher zum "Lake Argyle" gemacht. Der liegt 50km östlich von Kununurra und ist genaugenommen ein Stausee, der größte Australiens dazu. Interessant ist, welch relativ schmale Staumauer ausreicht, um so eine Menge Wasser zwischen all den Hügelketten und Bergzipfeln anzustauen. Aber durch die landschaftlichen Gegebenheiten wird es eben möglich, einen großen und noch dazu schön verwinkelten See zu erschaffen, aus dem zahlreiche Berge jetzt als Insel herausragen.


17. Juli


Nun sind wir also endlich im Northern Territory angelangt, dem "wahren" Outback Australiens. Erster Stopp: Katherine, nettes Städtchen und größer als erwartet. Ideal um unsere Vorräte aufzufrischen, Geburtstagmails zu versenden und Känguru-Hodensäcke als Souvenir zu kaufen.


18. Juli


Als erstes Highlight im Kakadu Nationalpark haben wir heute eine der schönsten Ecken Australiens kennen gelernt: Die 'Gunlom Falls', mit türkisem Pool unterhalb und vielen kleinen Pools oberhalb eines Wasserfalls. Natürlich haben wir gebadet was das Zeug hielt.
Zum Campen haben wir uns das Jim Jim Billabong (Wasserloch) ausgesucht. Trotz intensiver Suche habe ich auch hier wieder keine Krokodile ausmachen können. Die aber vermutlich mich. Am selbst gemachten Lagerfeuer haben wir erstmal Schokokuchen! und Brot im gusseisernen Topf ("Damper") gebacken. Diese Nacht war eine der Schwülsten und Unerträglichsten. Wir haben jede Menge Mücken gejagt (oder die uns ?!); dem tapferen Schneiderlein standen wir in nichts nach ;-)


19. Juli


An jedem Wasserloch halten wir nach Krokodilen Ausschau, leider vergebens. Deshalb widmeten wir uns nebenbei mal der Aborigines-Kunst. Die alten Felsmalereien erschlossen sich uns dann genauer, als wir uns unauffällig einer geführten Gruppe anhängten. Zufällig erhielten wir da auch den Tipp, dass wir am East Alligator River (dem Grenzfluss zum Arnhemland - das größte Aboriginal-Reservat) fündig würden. Und tatsächlich, da lungern ein paar Viechter fast unsichtbar am andern Ufer im Schlamm oder schwimmen so rum. Und nicht nur deswegen hat sich dieser Umweg gelohnt, bei einem kleinen Uferspaziergang durch ein Reststück Regenwald gab es schwarze Waldkängurus und jede Menge orange-schwarze Fledermäuse zu entdecken.


20. Juli


Zwar haben wir nun schon Krokodile gesehen, aber auf eine Sache haben wir uns die ganze Zeit gefreut: die „Jumping Crocodiles“ - Bootstouren. Diese haben wir uns heute spendiert und unsere Erwartungen wurden wirklich nicht enttäuscht. Die Kroks kamen ganz nah und begleiteten unser Boot. Die wussten genau jetzt gibt es Leckerli. Und dann sind die wirklich kerzengerade aus dem Wasser gesprungen, um sich ihr Fleisch zu schnappen. Jetzt ist uns auch klar, wie die Tierchen es in den 80ern am East Alligator River schafften, einen Mann zu enthaupten, der sich schon vom Fluss auf einen Ast gerettet hatte.


23. Juli


Seit zwei Tagen befinden wir uns nun auf der "Mount Bundy"- Station Das ist eine Farm, auf der hauptsächlich Wasserbüffel gezüchtet werden. Hier werden wir eine Woche leben, ein bisschen mit arbeiten und bei der Familie essen. Leider entpuppt sich diese zunehmend als unnahbar und Kochen schein auch kein Hobby der Frau zu sein.
Jedenfalls geht es sehr entspannt zu. Anja hilft beim Herrichten der Gästezimmer und Bungalows. Die Reinigung der Camping-Sanitäranlagen übernehmen die Platzwarts zum Glück selber. Meistens allerdings trinken die erstmal einen Kaffee. Bloß nichts überstürzen!
Ich habe heute Scott geholfen, eine defekte Pumpe aus dem Fluss zu ziehen. Abgesehen davon, dass die sauschwer war und ich meiner Bandscheibe damit nichts Gutes tat, war diese im gleichen Fluss wie die Bootstour mit den Jumping Crocodiles! Einige Kilometer flussaufwärts zwar und flacher ist er hier auch, was aber nichts heißt.


25. Juli


Alles im allem war es nicht ganz was wir uns vorgestellt hatten. Die Unproduktivität besonders dieser Australier war extrem anstrengend. Hier kommt keiner zu Potte und wir verbringen mehr Zeit mit Warten bis entschieden ist, (beim ausgiebigen Kaffee-Päusschen, versteht sich!) welches Bettlagen genommen oder welche Steckdose zuerst repariert wird. Wenn dafür wenigstens eine familiäre Gemütlichkeit herrschen würde. Na andererseits haben wir hier ein winziges Wallaby-Baby und die Buffalo-Kälbchen gefüttert. Soweit zu unserer „Woofing“ Erfahrung…


28. Juli


Gestern waren wir noch in Darwin. Erst im Museum um uns Sweatheart anzusehen (ein berühmtes Krokodil, das gerne Außenbordmotoren anfiel) und uns in einer dunklen Kabine anhand einer Originalaufnahme anzuhören, wie furchtbar damals der Cyclone „Tracey“ klang, der ganz Darwin verwüstete. Sehr beeindruckend!!!
Abends waren wir auf dem zu recht vielgelobten Mindle Beach Sunsetmarkt und haben dem Schauspiel des über dem Meer aufgehenden Mondes beigewohnt. Sehenswert! Eigentlich wollten wir noch ein Stück weiter fahren bevor wir ein Nachtlager suchen. Der beängstigend geringe Ölstand ließ uns aber neben der Straße am Ortseingang nächtigen. War auch besser so, denn bei Start des Motors am morgen ergossen sich sämtliche Restbestände unseres Öls auf der Straße. Wieder mal rentierte sich meine ADAC Gold Mitgliedschaft, wir wurden kostenlos abgeschleppt aber durften mal wieder die Reparatur löhnen, nur weil der Idiot in Broome den Ölfilter nicht richtig aufgeschraubt hatte.


31. Juli


Nicht weit vom Highway liegt auch der Litchfield-Nationalpark. Der ist nicht ganz so groß und berühmt wie der Kakadu, aber hat auch schöne Stellen zu bieten. ’Barry Springs’ ist wunderbar klar, warm und ein paar winzige Wasserschildkröten gibt es da auch. Die Ansammlung exakt nordsüdlich ausgerichteter Termitenhügel erinnert ein wenig an einen sonnigen Friedhof. Wasserfälle und kühlere Badepools in den Felsen gibt es ebenso. In Mataranka haben wir uns noch ein warmes Bad vor der staubigen Fahrt zur Ostküste gegönnt. Nach kleinem Spaziergang durch Palmenwald kommt man zu den heißen Quellen. Dort sind wir mit Schwimmbrille auf Tauchgang, was auch meinem Rücken sehr gut tat.









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Mr Floppy