02. Juni
Wir haben noch einen Zwischenstopp in Derby gemacht und uns über den Zustand der
unasphaltierten, 700 km langen Gibb River Road erkundigt. Der scheint ganz o.k. und wir
sollten keine Probleme haben.
Allerdings sind wir noch immer unschlüssig, ob wir nicht die sogenannten Touristenschlaufe
fahren. Die führt früher wieder auf den Highway, vorbei an ebenso sehenswerten Sachen.
Bei Derby kann man ein besonders altes und dickes Exemplar der hier vorkommenden
Flaschenbäume besichtigen: Den "Boab Prison Tree", in dem früher Gefangene eingesperrt
wurden.
3. Juni
Das erste Stück der Gibb River Road hinein in die
Westkimberley
haben wir hinter uns gebracht. Anfangs
war diese sogar noch geteert, dann wieder die bekannte Rüttelpiste, ab und zu
unterbrochen von Asphaltstücken. Außerdem ständig Bauarbeiten, die darauf
hindeuten, dass man die Strecke den Scharen an Campern zugänglich machen will,
Was ihr zunehmend den Reiz nimmt.
Nach einer Weile wurde die Landschaft felsiger und die Straße etwas geschwungener.
Darauf hatten wir gewartet, wo die Kimberley doch für ihre gigantischen
Felsschluchten berühmt ist. Sie entstand aus den Überresten großer Riffe,
die einst unter dem Meeresspiegel lagen.
An der ersten breiten Flussüberquerung haben wir zwei Deutsche getroffen, die mit
ihrem Motorrad unterwegs sind. Sie waren dabei, die Tiefe zu erkunden. Nach einigem
Hin und Her sind wir mit dem Auto durch. Und es schien machbar, auch für sie.
Aber erst morgen, den mittlerweile hatten wir uns schon so verquatscht, dass wir
auch auf dem Rastplatz blieben und dort mit zwei noch eintreffenden Deutschen den
Abend verbrachten.
04. Juni
Als wir heute Morgen nun alle sechs aufbrachen und den Fluss durchquerten, gingen
bei uns plötzlich alle Warnleuchten im Auto an. Über Nacht war der Fluss wohl
angestiegen. Zum Glück erloschen sie auch wieder und für einen Diesel ist es wohl nicht
so tragisch unter Wasser gesetzt zu werden. So haben wir auch die nächsten beiden
auf dem Weg zum "Bell Gorge" geschafft.
Von da aus ging es zu Fuß weiter. Ein schöner Weg über Stock und Stein, der nur
durch vereinzelte Zeichen gekennzeichnet ist, führte uns in die Schlucht und den
Rand des Wasserfalls. Um in dem See unten zu baden mussten wir zunächst den Fluss
durchqueren und sind dann barfuss über die Felsen auf der anderen Seite
runtergeklettert. Nun hatten wir eine riesige Badewanne fast für uns allein und
haben den ganzen Tag auf den Felsen in der Sonne gelegen.
05. Juni
Nun haben wir uns endgültig dagegen entschieden, die gesamte Gibb River Road
zu fahren. Also sind wir umgekehrt und zum "Lennard River Gorge" gefahren.
Den Abzweig hatten wir auf dem Hinweg unterschlagen. Diesmal nicht, zum Glück!
Diese sehr tiefe und schmale Schlucht war es ebenso wert wie die etwas
anspruchsvollere Fahrt dahin. Hier haben wir auch die nette alte Dame aus Südaustralien
wieder getroffen, die alleine unterwegs ist, während ihr reisefauler Mann zuhause die Rindviecher
füttert. Interessante Leute, die man so trifft.
Gegen Abend sind wir am "Windjana Gorge" angekommen. Durch diese Schlucht
kann man einfach entlang des Flusslaufes zwischen den beiden riesigen Felswänden
entlang laufen. Was an sich schon sehr schön ist, außerdem kann man dabei so einigen
der 70 hier lebenden Süßwasserkrokodilen begegnen. Die sonnen sich auf den Sandbänken
oder hängen einfach so im Wasser rum.
06. Juni
Bevor wir weiter sind, waren wir noch mal Krokodile gucken. Irgendwie hab ich die
"gefressen". Na solang's nicht umgekehrt ist. Die hier haben aber mehr Angst vor
einem und beißen nur aus Notwehr, im Gegensatz zu ihren hier auch vorkommenden, absolut
gefährlichen Verwandten, den Leisten- oder Salzwasserkrokodilen.
Weil sie aber auch jede Bewegung zu viel vermeiden, kamen wir heute doch ganz nah ran.
Dann fing es plötzlich an zu regnen ... in der Trockenzeit? Auch egal, bei dem was wir
vorhatten. Wir waren auf dem Weg zum "Tunnel Creek", einem Bach, der sich durch das
Felsmassiv gegraben und einen Tunnel geschaffen hat. Die Tropfsteine sind nicht so
spektakulär und die Fledermäuse sieht man auch kaum. Das eigentliche Abenteuer ist
es, in vollkommener Dunkelheit durch knietiefes Wasser zu stapfen. Besonders als die
Birne unserer Taschenlampe gerade hier durchbrannte.
Draußen hatte der Regen aufgehört und wir sind die letzten elend langen 70km
Holperpiste zurück auf den Highway gefahren. An den Bullbar (Stoßfänger) hatten wir unsere
nassen Turnschuhe gebunden, die durch die Aktion nun hoffentlich ihren Gestank von
verdorbenem Krokodilfleisch los sind.
07. Juni
Schon wieder Regen heute, etwas ungewöhnlich, und Ungelegen kommt es auch. Da will doch keiner in Nationalparks rumlaufen. Was blieb uns also als auf einer Restarea abzuwarten. Noch dazu auf einer kalten, kahlen, matschigen. Unter Einsatz meiner letzten Kräfte habe ich deshalb versucht Feuerholz aufzutreiben und daraus im Nieselregen ein wärmendes Feuer gemacht.
08. Juni
Die Frage, ob wir uns die "Bungle Bungles" trotz des Wetters ansehen, hatte sich
schnell geklärt. Die gesamte Zufahrt war wegen der Regenfälle unpassierbar und
gesperrt worden.
Als wir weiter fuhren, klarte es bald auf und wir entschieden, bis rauf nach
Wyndham zu fahren. Von einem Lookout, hat man hier einen überwältigenden Blick
auf die Flussmündungen der fünf größten Flüsse der Region und deren riesige
Überschwemmungs-gebiete. Dort drinnen wimmelt es nur so von gefährlichen Krokodilen,
mittlerweile wieder, nachdem sie 1970 wegen drohender Ausrottung unter Schutz gestellt
wurden.
10. Juni
In der Ostkimberley
gibt es auch ein paar schöne Ecken.
Um die zu sehen sind wir gestern nochmal von der anderen Seite auf die
Gibb River Road gefahren.
Da alles auf dem Grundbesitz der 1 Mio hr großen "El Questro" Farm liegt, durften
wir für die Naturattraktionen erstmal wieder löhnen. Etwas wandermüde, sind
wir erstmal in die "Zebedee Springs" baden gegangen. Diese von heißen Quellen
gespeiste Pools in einem Palmenwald sind der ideale Ort, die Zeit zu vergessen.
Deshalb haben wir es auch nur noch kurz an den Pentecost River geschafft.
Sehen wollten wir den breitesten Fluss über die Gibb River Road wenigsten.
Glücklicherweise waren wir nun schon am richtigen Ufer. Ein freilebendes Salzwasserkrokodil
haben wir leider auch hier wieder nicht entdeckt (uns wurde aber gesagt, sie sehen dich auf
jeden Fall !).
Heute noch "Emma Gorge", wobei uns der Weg durch die Schlucht besser gefiel als das
angebliche Highlight, der Wasserfall am Ende. Der war etwas spärlich (Trockenzeit) und der Pool war
eiskalt und dunkel gelegen.
13. Juni
Vor ein paar Tagen haben wir uns in dem kleinen Städtchen
Kununurra
auf einem netten Campingplatz neben
dem Mirima Nationalpark niedergelassen. Endlich mal entspannen, kein ständiges Auto
umräumen und weiterziehen; außerdem Kühlschrank, Dusche und Strom, so dass der Tag
nicht um 18:00 vorbei ist.
Der Nationalpark wird auch "Mini Bungle Bungles" genannt, denn er hat ähnliche
Felsformationen wie die echten "Bungle Bungles", die wir ja leider nicht ansehen
konnten. Aber die Miniausgabe hat uns auch einen Eindruck von der
Felskuppellandschaft vermittelt. Hier hindurch zu laufen war dazu noch
vergleichsweise geringer Aufwand.
Nebenbei suchen wir nach einem Job, was diesmal nicht ganz so flutscht. Erstens
sind die Arbeitsvermittler wegen stundenlanger Mittagspausen nicht anzutreffen und
zweitens war das Wetter auch diesbezüglich nicht hilfreich. Weniger Sonne - Melonen
noch nicht reif.
Da hilft nur Geduld und dranbleiben, den unser Geld wird nicht ganz bis zur
Ostküste reichen. Zudem befinden sich um Kununurra riesige bewässerte Anbauflächen,
so dass hier die größte oder letzte Chance ist. In dieser sogenannten "Ord River
Irrigations Area" waren wir zumindest schon, um uns mal das Kanalsystem anzuschauen
und Mango-Eis zu essen.
16. Juni
Heute sind wir schweren Herzens von unserem Campingplatz ausgezogen.
Die Melonen sind immer noch nicht reif und auch sonst nichts in Aussicht.
Die Campingplatzgebühren und höhere Einkaufs-rechnungen, zu denen uns der
Kühlschrank verleitet, können wir uns einfach nicht leisten. Somit schlafen wir
nun wieder auf einer Restarea 12km außerhalb der Stadt.
Diesmal ist es ziemlich hart und uns vergeht langsam die Lust auf das heimatlose
Leben auf der Straße.
Aber ganz aufgeben tun wir noch nicht. Wir konnten einen Aufenthalt auf
der "Mount Bundy Station" verabreden. Dort werden wir für Verpflegung und Unterkunft auf
dieser Farm mitarbeiten. Hoffentlich erleben wir dabei noch etwas intensiver das "echte"
Australien.
17. Juni
Bis es zu heiß im Auto wurde haben wir noch ein Hörspiel gehört. Dann sind wir halt
in den Ort gefahren und haben uns 2 Stündchen ins Internetcafe gesetzt.
Dort durften wir dann 7,50 Dollar allein für den Strom zahlen!
Nachmittags sind wir mal zum "Kimberley Grande", da Jens
auf einem Werbeplakat für das Hotel den kleinen Hinweis entdeckt hatte,
dass die Aushilfen suchen. Als wir wieder mal einen dreiseitigen Fragebogen zum
ausfüllen bekamen, hatten wir eigentlich schon aufgegeben. Doch eine halbe Stunde
später sind wir als der neue Kellner bzw. Anja als Zimmermädchen aus dem Hotel
marschiert. Uups! Das ging fast zu einfach. Aber cool, wir wollten das schon immer
mal ausprobieren.
18. Juni
Mein erster Tag, Spätschicht, 5 Stunden, lief alles ganz gut. Anja hat im Auto gewartet, um dann mit mir auf die Restarea zu fahren. Auf Dauer wäre das keine Lösung, aber glücklicherweise darf sie morgen Abend schon als Küchenhilfe anfangen.
22. Juni
Auch für Anja läuft es ganz gut, sie darf Pizzen belegen, backen und Nachspeisen
anrichten oder was sonst so anfällt.
Das Umhergefahre hat auch ein Ende, da wir in eine Mitarbeiterunterkunft (Container) eingezogen
sind. Jeder kann zur Arbeit laufen wenn er Schicht hat, obwohl wir gestern zusammen
frei hatten und heute beide mangels Arbeit heimgeschickt wurden.
Ganz zufällig haben wir heute Abend noch erfahren, dass Anja morgen früh gar nicht
als Zimmermädchen anfängt. Nur weil der Chef auf einmal verhindern will, dass man
sich mit zwei Jobs überarbeitet. Danke auch der Nachfrage bzw. der Mitteilung.
Irgendwie passt das alles nicht, auf dem Schichtplan für nächste Woche kommt
Anja auch kaum vor (wahrscheinlich weil die plötzlich noch Einen eingestellt haben),
ich dagegen würde gegen einen freien Tag nichts haben. Den Termin auf der Farm
haben wir auch schon verschoben, weil wir hofften, hier noch ein paar Wochen ordentlich
Geld zu verdienen.
27. Juni
Mittlerweile haben wir einen
Zweitjob
gefunden, morgens in einem Cafe,
Anja Küche, ich Kellnern, wie gehabt.
Ursprünglich Anja nur am Wochenende und ich immer mal ein paar Stunden.
Ich durfte aber dann jeden Tag ran und Anja hat sich weiter wegen
der Erntehelferjobs vertrösten lassen.
Letztendlich hat sich alles so gedreht wie wir es wollten.
Anja hat den Küchenhilfe-Job ihrer Vorgängerin im Cafe übernommen (die wurde gefeuert, zu
aufsässig) und die WE-Schichten. Im Hotel hat man den Neuen gefeuert (zu langsam beim Spülen)
und Anja durfte auch noch als Spüle aushelfen.
Ich bin dann leider mal wieder einige Tage mit einem Infekt ausgefallen. Blöd, denn so verdiene
ich ja kein Geld.
30. Mai
Wir sind jetzt schon froh, dass wir das Ganze zur noch 14 Tage durchhalten müssen. Die meisten mit denen wir auf Arbeit zu tun haben, scheinen eine Vollmeise zu haben. Man wird überhäuft mit sinnlosen, sich widersprechenden Anweisungen, noch dazu von Leuten die meinen etwas zu sagen zu haben. Es ist das reinste Chaos, Qualität zählt Null, die Gäste sowieso nicht, Hauptsache Schnell schnell. Ach, und unter allen Umständen beschäftigt aussehen - so sehr, dass niemand dazu kommt seinen Job anständig zu machen. Das führt dazu, dass manchmal drei Kellner auf einmal auf neue Gäste hinzustürmen und jeder sie mit der Speisekarte belagert. Und wo man uns vorher zu wenig brauchte, müssen wir scheinbar jetzt für alles einstehen. Anja ist von 7.30 bis min. 23.00 am schuften, 7 Tage die Woche. Dafür ist es dann aber endgültig die letzte Arbeit, schließlich haben wir nicht mehr viel Zeit für die Vollendung der Australienumrundung.