01. bis 09. März
Um Anja trotz Arbeitalltag ein wenig Geburtstagsfeeling zu bringen habe ich ihr mit
Marsha, unserer echt netten Chefin, ein Ständchen gesungen. Von ihr haben wir auch
den Tipp mit der „Tavern“ bekommen und waren abends in einem typisch australischen
Familien-restaurant essen. Ein bisschen laut und stressig aber gemütlich und lecker
war’s auch. Danach gab es noch eine Tiefkühltorte, da die Möglichkeiten in unserer
Unterkunft ja etwas beschränkt sind. Diesen „Bavaria Cake“ hatten wir Weihnachten
schon mal und mit einem Streichholz als Kerze ging’s auch als Geburtstagstorte durch.
Fast „pünktlich“ zu Anjas Geburtstag kam auch das Weihnachtspaket aus Deutschland an
– mit Lebkuchen, Weihnachtmännern usw. Leider hat das 10 Wochen länger als versprochen
gedauert (Quarantäne in Australien) und musste uns dann noch von Melbourne nach Perth
nachgeschickt werden.
Die zweite Abwechslung diese Woche hätte es nicht gebraucht. Ich hatte gerade einen der
auf schienen gelagerten Hänge-Trolleys, mit denen wir die Pflanzen transportieren in
eine Ladebuchten geschoben. Als ich zurück kam lag einer von diesen umringt von
zerschmetterten Blumentöpfen am Boden, und die sagten mir, dass meine Freundin
getroffen wurde. In der panischen Suche nach der abtransportierten, blutüberströmten
Anja bin ich erstmal an dem Stuhl, wo sie mit einem Kühlakku auf dem Kopf saß vorbei
gerannt.
Eine Weiche war gebrochen und der Metallrahmen des Trolleys hat sie glücklicherweise
nur seitlich am Kopf getroffen und dabei den Hals gestaucht. Ein Wunder, die Dinger
wiegen beladen hunderte Kilo. Ihr war aber trotzdem schlecht und schwindelig, so dass
sie zum Arzt gefahren wurde. Allerdings erst drei Stunden später zu einem Termin den
sie bekommen hat. Einen Tag Ruhe hat sie verschrieben und immerhin bezahlt bekommen.
Dafür dass sie sich das Genick hätte brechen können, wären ein bisschen mehr Einsatz
und vor allem eine Entschuldigung von den Benaras angebracht gewesen. Ich habe erstmal
laut geflucht, hat aber keinen gestört.
10. bis 16. März
Arbeit von früh bis spät, so dass wir bei westaustralischen Öffnungszeiten nicht mehr
zum Einkaufen kommen. Was vielleicht noch zu regeln wäre, wenn wir nicht immer für drei
denken müssten. Unser Mitbewohner Barry teilt nämlich gerne, sowohl sein Zeug als auch
unseres und hat genaue Vorstellungen was wir so aus „unseren“ Sachen machen können.
Leider ist dabei egal, was wir wollen. Komisch wo er doch immer sagt „Food is food“.
Warum dürfen wir dann nicht unser Spaghetti essen oder Anja sich ein Ei braten und er
isst seine Billigwürstchen alleine!? Einmal haben wir solange im Zimmer gemehrt bis er
schon müde ins Bett ist, obwohl wir dabei das Risiko eingingen, dass unsere Steaks in
einer angedrohten Suppe enden.
Unser Vermieter ist auch merkwürdig. Er verbietet Barry dass seine Freundin zu Besuch
herkommen kann. Uns zwingt er fast die nun neu eingebaute Klimaanlage zu nutzen, obwohl
es momentan nicht so heiß ist.
Anstatt er mal ein Licht draußen anbringt, damit man sich nicht die Knochen bricht
wenn man den Weg zum Hintereingang sucht.
Außerdem erscheint er fast jeden Tag zweimal und maßregelt uns, tut das nicht und dies
nicht.
Wir kommen uns vor wie sein Sohn, den gängelt er genauso.
17. bis 24. März
Ende letzter Woche hat es mich mal wieder erwischt: Viraler Infekt, vielleicht
unterstütz dadurch, dass wie überall in solch heißen Ländern die Leute die Klimaanlagen
auf volle Pulle drehen. Draußen ist es schwül und heiß, so dass man total nass
geschwitzt ist und wenn man
dann ins Büro muss, ist es dort saukalt.
Jedenfalls hab ich erstmal etliche Tage flachgelegen und unser Osterausflug ist
deswegen auch ins Wasser gefallen. Wenigstens haben wir uns es gemütlich gemacht,
sofern es möglich war mit unserem besonderen Mitbewohner Barry. Außerdem gibt es
hier einfach nichts Gescheites zu Essen. Es ist schwer zu erklären. Die Supermärkte
sind voll, aber es ist einfach
zu „Englisch“. Die Franzosen, die wir hier treffen, beschweren sich wenigstens lautstark.
Die Deutschen finden einfach alles nur „super“. Was eigentlich ziemlich blöd ist.
Ansonsten immer das Gleiche, Arbeitsalltag halt - zumindest für Anja; ich bin krank,
nur mit dem Unterschied, dass ich hier dummerweise kein Geld verdiene, da wir auf
Stundenbasis arbeiten.
25. bis 31. März
Am Donnerstag gab es erstmal ein Feuer neben der Gärtnerei, es kam sogar groß in den
Nachrichten, mit den üblichen Warnungen und Evakuierungen. Anja merkte es erst beim
heimfahren und sah die glühenden Überreste, die wohl von Weiten wie eine Gartenparty
mit tausend Lichtern aussahen. Morgens war schon alles gelöscht, nur roch es nun
überall verbrannt. Ausnahmsweise war es wahrscheinlich diesmal kein Buschbrand sondern
absichtlich gelegt wurden. Vielleicht hat jemand eine hohe Versicherung abgeschlossen.
Dann hatten wir mal ein Wochenende Ruhe vor Barry, der nach Neuseeland zu seiner
Verlobten geflogen ist. Leider nicht vor Derek, er kam weiterhin immer rein, wenn es
ihm passte. Sparglühbirnen und -duschköpfe anbringen oder weil er das Licht ausmachen
wollte, dann aber erschrak, weil wir noch ruhig im Wohnzimmer saßen.
Die neue Waschmaschine
Am Samstag hat Derek uns voller Stolz seine neue Hightech Waschmaschine gezeigt
(ein Toploader). Sie ist das Tollste vom Tollen aus Neuseeland (Firma Fisher & Paykel)
und hat ein Digital-Display. Und man muss nicht mehr selber den Warmwasser-Zufluss
regeln, das macht sie „irgendwie automatisch“. Derek war stolz wie Oskar.
Wir sagten ihm lieber nicht, dass selbst uralte DDR-Waschmaschinen das schon konnten.
Leider stoppt sie trotzdem alle 5 Minuten und schreibt hilflos auf ihr Digial Display:
„Help! I don’t get any water“ (obwohl die Wasserhähne auf waren) bzw. „Help! I’m out
of balance!“ und bittet dich dann die Wäsche umzusortieren, damit sie weiter schleudern
kann.
Wenn sie dann fertig ist, hat man, obwohl man extra das dafür richtige Waschmittel
benutzt hat (sie braucht eines für sowohl Front und Toploader Maschinen!), immer noch
Wäsche mit Flecken und sogar zusätzlich komische schmierige Flusen an der Wäsche..
Das ist allerdings wirklich eine Neuerung. Das hat die alte Maschine nicht hinbekommen.
Irgendwie haben wir in Australien noch nie saubere Wäsche hinbekommen.
Die Australier aber auch nicht. Außer die wenigen, die eine Miele haben.
Der Rest schwört auf seinen Toploader mit Senkrechtachse, weil man da ja vergessene
Wäsche hinterher werfen kann.