02. Mai


Nach mehreren Telefonaten mit der Werkstatt schraubte sich der Preis immer höher. Er meinte, sie haben auch Öl- und Diesel-Lecks gefunden und die Motoraufhängungen sind dadurch hin. Die Kupplung ist auch total abgenutzt. Da wir von dem Diesel-Leck schon wussten und er mir die kaputten Aufhängungen zeigte, war ich relativ sicher, dass er mich nicht übers Ohr hauen will.
Am Ende bezahlten wir 3095 Dollar (rund 1800 Euro).
Leider habe ich dadurch auch den letzten Arbeitstag verpasst. Allerdings haben wir uns gabends mit Cary, unserem Boss am Fließband, beim Chinesen getroffen. Wir hatten einen lustigen Abend, nicht nur wegen Carys Reiswein, sondern weil er auch ein total witziger Typ ist.
Er hat uns auch zum Angelausflug am Sonntag eingeladen.


3. Mai


Heute haben wir endlich einen Ausflug nach Fremantle in der Nähe von Perth gemacht, da wir ja in drei Tagen weiterfahren wollen. Um zwei Uhr Nachmittags waren wir und Stefan, unser neuer Mitbewohner aus Deutschland, auch schon da. Allerdings musste Stefan den Zug nehmen, da wir nur zwei Sitze im Auto haben.
Nach einigen Stunden Rundgang durch die Stadt, den Jachthafen, den Strand und die Pier haben wir uns noch ein Bier in der „Little Creatures“ Brauerei gegönnt und sind dann wieder heim. Schöne gemütliche kleine Stadt !


04. Mai


Vor Sonnenaufgang (5.45 Uhr!!!) waren wir schon bei Cary, um mit ihm und seinem Sohn aufs Meer hinauszufahren und den großen Fang zu machen. Wir heißt Stefan und ich, da Anja es vorzog, zu Hause zu bleiben. Sie hatte nicht so richtig Bock auf hohe Wellen und Stinkefische.
Ist halt doch ein Männer-Sport! Sie hat währenddessen unseren Auszug vorbereitet.
Es war sehr aufregend, mit Carys kleinem Motorboot über die Wellen des Indischen Ozeans zu brettern. Das Boot klatschte bei voller Fahrt ständig auf das brettharte Wasser und man musste sich gut festhalten.
Leider legte sich die Aufregung schnell, da wir einen absolut bescheidenen Tag hatten. Sonst würde er jede Menge Fische fangen, meinte Cary, aber diesmal haben wir nur einen kleinen Hai und noch einen anderen Fisch gefangen. Alle anderen waren zu klein und wir mussten sie wieder ins Meer werfen. Die Behörden achten mittlerweile sehr auf die Fangquoten, auch wenn in West Australien keiner eine Angellizenz braucht.
Es war trotzdem eine sehr schöne Erfahrung. Angeln ist hier ein Volkssport und so ziemlich jeder (Mann) packt am Wochenende sein Boot auf den Anhänger und fährt zum Meer.


06. Mai


Heute ist es soweit: Wir fahren weiter, die gesamte Westküste des Kontinents entlang nach Norden. Wir haben heute Morgen noch Dereks Abnahme überlebt und noch schnell das Auto zur kostenlosen Nach-Durchsicht in die Werkstatt gebracht. Nach weiterem organisatorischen Krims Krams sind wir dann endlich raus aus Perth und haben "endlich" wieder im Auto auf einer Rest Area übernachtet.


07. Mai


Der Einstieg ins Leben auf der Straße wurde uns heute Morgen von zwei netten Nachbarn erleichtert, die unbedingt unser Geschirr in ihrem Wohnwagen abwaschen wollten. Gut, also auf nach Cervantes bzw. in den Nationalpark nebenan, um uns die "Pinnacles" anzusehen. Diese Kalksteinsäulen ragen bis zu 4m aus dem Wüstenboden und sehen besonders zur Morgen- oder Abenddämmerung sehr eindrucksvoll aus.


08. Mai


Auf der Alternativroute nach Port Denison – angepriesen wegen seiner Feigenbaumallee und dem alten Polizeimuseum, was geschlossen war – sind wir heute direkt an einer riesigen Sanddüne vorbeigekommen. Die hat uns so angeleuchtet, dass wir erstmal eine Weile darauf rumgeklettert sind. Überaschenderweise eine der schönsten Erinnerungen; es war so friedlich, als ob man allein mitten in der Sahara wäre.
Vorbei an „Canola Fields“ gelb leuchtend wie im Bilderbuch (ähnlich wie unsere Rapsfelder) und einigen „Leaning trees“, die wegen dem starken Küstenwind wagerecht wachsen, fuhren wir weiter nach Geraldton. Außer einer byzantinischen Kathedrale, der ganz interessant konstruierten Sonnenuhr und dem Crayfisher Hafen bot das „Zentrum“ der Westküste aber keinen Anreiz länger zu verweilen.


09. Mai


Irgendwann hat man auch mal genug von Australien; heute war es soweit. Wir haben das Land (nicht den Kontinent) Australien verlassen und sind in die "Hutt River Province" eingereist. Das heute offiziell „Principality of Hutt River“ genannt Gebiet, wird von seiner Hoheit Prinz Leonard regiert.
Dieser war damals nicht ganz einverstanden mit den von der Regierung vorgeschriebenen Weizen-produktionsquoten und hat sich samt seinem 75 km² großen Farmland 1970 von Australien losgesagt. Wegen einer Gesetzeslücke war dies möglich und dank öffentlicher Sympathie wird dieses Kuriosum bis heute toleriert. Das Fürstentum ist zwar kein anerkannter Staat, aber es muss keine Steuern abführen, hat seine eigene Währung, Post und sogar ein ‚bisschen’ Militär.


11. Mai


Bei "Shark Bay", einem UNESCO Welterbe, befindet sich ein unscheinbares Highlight der Weltgeschichte. In der Nähe der alten Telegraphenstation „Hamelin Pool“ kann man am Meeresufer einige der wenigen auf der Erde noch existierender Stromatolithen bewundern. Diese schon seit der Urzeit (3,5 Mill. Jahre) vorhanden Bakterien werden daher auch als lebende Fossilien bezeichnet. Noch heute produzieren sie Sauerstoff, womit die Entwicklung höherer Lebensformen erst möglich wurde.
Ähnlich faszinierend sind die meterdicken Muschelstrände hier. Man ist sich noch uneinig, wie diese entstanden sind. Wie auch immer, das sieht schon toll aus, so ein weißer Strand aus Muscheln. Die früheren Siedler haben aus dem gepressten Muschelboden sogar Steine herausgesägt und diese zum Hausbau genutzt.
Am nächsten Morgen mussten wir rechtzeitig raus, um die Delphine von „Monkey Mia“ zu sehen. Die kommen hier jeden Tag ans Ufer geschwommen, seid in den 60ern eine Frau angefangen hatte, sie zu füttern. Sie spielen im flachen Wasser und schwimmen um die Pfleger, bis sie bzw. die Touristen ihnen ein paar Fische füttern. Dann schwimmen sie wieder aufs Meer und die Touristen verteilen sich über den Strand oder springen ins klare Wasser, wie wir seit Langem mal wieder.


12. Mai


Nun sind wir schon im Dunkeln aufgestanden, um den Massen an kleinen Stechbiestern zuvor zu kommen, aber beim ersten Rot am Horizont waren sie schon da und wir dann auch schnell weg - nach Carnarvon. Laut Reiseführer absolut unspektakulär, aber eigentlich angenehmer als andere Städte: Meer, Dorfatmosphäre am Fluss, umgeben von Bananenplantagen usw.
Auf der 1 Meile langen Jetty hat Jens 2 Tage versucht zu angeln. Am Ende hatte er zwei Krabben dran, die ihm aber von der Angel gesprungen sind. Leider hatten die erst für nächste Woche Termine für einen dringend benötigten Ölwechsel, also sind wir weiter.


14. Mai


Den Morgen haben wir bei den „Blow Holes“ verbracht. Diese sind nur wenige Kilometer nördlich von Carnarvon an einem sehr rauer Küstenstreifen mit meterhoher Brandung, wo durch enge Felsspalten Wasserfontänen hoch gepresst werden. Bevor wir weiter Richtung Exmouth zum „Ningaloo Reef“ fuhren, haben wir noch in Coral Bay halt gemacht. Dabei blieb es auch.
Das Reef ist hier viel näher und die Bootstouren zu Wahlhaien oder Mantas werden oben auch nicht billiger. Also Schnorchelzeug ausgeliehen und ab ins Wasser. Anja hatte etwas Anfangsschwierigkeiten mit den Flossen, wurde nur von der Strömung umher getrieben und hat jede Menge Wasser geschluckt und gespuckt. Letztlich haben wir aber hinter den bunten Fischen herpaddeln können und sogar einen Stachelrochen unter uns entdeckt.


15. Mai


Es war wohl doch zu viel Salzwasser für Anja und die fettigen Fish & Chips abends haben sicher ihr übriges beigetragen. Die halbe Nacht hat sie auf dem Rastplatzklo verbracht und dann schließlich aus dem Auto erbrochen. Einige hundert Kilometer von jeder größeren Stadt mit ärztlicher Versorgung entfernt, haben wir uns trotzdem auf den Weg gemacht, nur für den Fall, dass wir diese brauchen würden.
An einem Roadhouse habe ich ihr für unverschämte 4,50 Dollar drei trockene Scheiben Toast gekauft, irgendeinen Tee zu bekommen war ein Ding der Unmöglichkeit! Eine Scheibe hat sie noch genossen – eine Viertelstunde später musste sie wieder die Tür aufreißen … und wieder war der Magen leer.
Gegen Abend sind wir in Karatha angekommen. Eine absolut nichts sagende, potthässliche, teure, touristenunfreundliche „Stadt“ bzw. Bergarbeiterkolonie. Aber immerhin haben sie ein Krankenhaus und vorerst Kamillentee und Reiskräcker.


17. Mai


Anja geht es wieder besser und sie isst wieder normal mit. Das ist die gute Nachricht.
Die ganze Gegend hier oben ist eine solche Einöde - die „Pilbera“ hat zwar ein enormes Vorkommen an Bodenschätzen. Die schnell wachsenden Minenstädte kommen aber kaum hinterher ihre Einwohner zu versorgen, deshalb gibt es auch hier nirgends einen Werkstatttermin für uns.
In Port Hedland sollten wir sogar einen Monat warten. Endlich soweit, es selbst zu machen kauften wir hier Öl und einen Ölfilter. Bei dem Versuch die Schraube zu öffnen, habe ich mir fast die halbe Fingerkuppe am Bodenblech abgerissen.
In einer Werkstatt wollten sie mir kein Radkreuz leihen, um die verrostete Schraube zu lösen, mit dem Argument, ich würde das alte Öl in die Landschaft kippen. Und das von einem Australier, die wussten bis vor ein paar Jahren nicht mal wie Umweltschutz buchstabiert wird. Auch dass ich denen anbot, die Entsorgung zu bezahlen, zog nicht.


19. Mai


Heute Morgen sind wir in Broome angekommen. Eine Stunde später hat uns eine Werkstatt den Ölwechsel erledigt. Die haben mit entsprechendem Werkzeug den absolut störrischen Ölfilter gewechselt, an dem wir außerdem scheiterten.
Nach dem wir gründlich alle Campingplätze besichtigt hatten, haben wir uns letztlich mal nicht für den billigsten sondern den schönsten mit großem Pool entschieden.


21. Mai


Die 2 Tage gingen so schnell rum, dass wir erstmal verlängert haben. Außer am Pool rumzuhängen und leckere Sachen zu kochen, wollen wir uns mal nach einem Job umsehen, denn hier ließe es sich eine Weile aushalten.
Den tollen Job auf einem Perlenboot müssen wir wohl vergessen, denn dafür gibt es eine 5 Wochen Warteliste. Außerdem hat mich das Jagdfieber wieder gepackt und Fischen braucht Zeit.


23. Mai


Gestern Abend waren wir bei der „Staircase to the Moon“. An bestimmten Tagen, wenn der Vollmond aus dem Meer aufsteigt, sieht das von den Wellen reflektierte Mondlicht aus wie Stufen, die zum Mond hinaufführen. Vorher kann man noch auf dem dazugehörigen Markt am Strand allerlei Krimskrams kaufen. Und dann nach langem Warten, kam der Mond wie eine Lavablase aus dem Meer gestiegen.
Von drei deutschen Jungs haben wir heute unser Abendbrot geschenkt bekommen: Kängurufilet. Der eine kannte sich mit Ziegenschlachten aus und deswegen hatten sie beschlossen dem nächsten Känguru nachts mal nicht mit ihrem Jeep auszuweichen …


24. Mai


Es wurde Zeit, sich Broome mal genau anzusehen. Die Innenstadt nennt sich Chinatown, wie man an den Bushäuschen und Telefonzellen sieht. Im Grunde ist es aber nicht wirklich chinesisch.
Messingstatuen erinnern an seine Geschichte des Perlentauchens, die von japanischen Perlentauchern geprägt wurde. Noch heute ist die Perlenzucht ein wichtiger Wirtschaftszweig und viele Perlengeschäfte reihen sich zwischen moderne Bars, Touristenläden und z.B. ein altes Open Air Kino. In regelmäßigen Abständen ein „Boabtree“ (Flaschenbaum, wegen der Form) und hin und wieder sieht man eine Kamelkolonne vorbeiziehen, auf der Touristen Broome erkunden können.
Die Stadt hat auch ein paar schöne Strände. Fragt sich nur wem das was nützt, wenn die von tödlichen Quallen, Krokodilen und gefährlichen Strömungen verseucht sind. Viele baden trotzdem. Wir nicht !!!
Eine bei Fischern beliebte Pier gibt es auch, dummerweise war diese entweder wegen Beladung riesiger Frachter geschlossen oder es war Ebbe, wenn wir zum Angeln hin sind.


26. Mai


Eigentlich wollten wir schon weiter ziehen, aber unsere Nachbarn auf dem Zeltplatz haben uns ihren skurrilen Job als "Krokodilzahnarzt" auf der Farm von Malcolm Douglas überlassen. Wir hatten uns Anfang der Woche noch geärgert, dass der schon weg ist … was für ein Zufall!

Malcolm Douglas kannte ich schon als Kind. Immer wenn Tierdokumentationen über Australien und speziell über Krokodile im Fernsehen kamen, waren sie oft mit diesem erfahrenen Krokodiljäger. Er war schon bekannt, als der 2006 an einem Stachelrochen-Stich verstorbene, so genannte 'Crocodile Hunter' Steve Irwin, "noch in die Windeln machte".

So sind wir also heute früh angetreten. Wir dachten, heute nur einen Graben im Krokodilgehege auszuheben. Nein, vorher durften wir schon die erste Ladung Krokodilköpfe kochen. Dafür mussten wir sie mit der Brechstange aus dem Gefrierschrank befreien und in drei alten Benzinfässern zum Kochen bringen. Da brodeln sie nun den ganzen Tag, damit wir morgen die Zähne aus den Kiefern kriegen. Was für ein krasser Job, um den wir uns da gerissen haben!


27. Mai


Um auf der Farm umherzufahren haben wir eines der Arbeitsautos bekommen, erst eins was keinen Rückwärtsgang hat und ständig ausgeht, dann eins ohne jede Bremse. Irgendwie haben wir es zu unserem „Arbeitsplatz“ hinten auf der Farm geschafft, wo der Müll in einem großen Loch entsorgt wird und man ein unbewachtes Feuer über Nacht einfach ausgehen lässt.
Dann kam der Moment, vor dem Anja am meisten Angst hatte. Das ganze „Kopfgulasch“ auskippen und dann aus den schlabberigen Kiefern die Zähne rausziehen. Unsere Nachbarn hatten uns vorgewarnt, es würde ein fürchterlicher Gestank sein. Letztlich hatte Anja kaum Probleme (außer vielleicht als nachmittags die Schmeißfliegen ihre Eier in einem Kopf abgelegt hatten), dafür wurde mir schon die ersten Minuten etwas übel.
Aber es gibt gutes Geld und wir können umsonst den Krokodilpark und die Farmgehege besichtigen. Macht sich außerdem gut im Lebenslauf ;-)


29. Mai


Nach ein paar Tagen gewöhnt man sich dran und bald ist das Kühlhaus leer. Es werden nur einmal im Jahr ca. 500 vierjährige Kroks geschlachtet. Die Haut und das Fleisch wird gleich verkauft und Leute wie wir ziehen eine Woche lang die Zähne, die dann teuer an Touristen verkauft werden.

Ganz zufällig haben wir heute Tessa (die mit uns bei Benara in Perth gearbeitet hat) und ihren Freund getroffen. Die machen für 2 Tage auf unserem Zeltplatz Urlaub! So haben wir den Abend heute mal in einem Bungalow mit ein paar Bierchen verbracht.


31. Mai


Die letzten Zähne sind gezogen und wir haben uns noch ein Brot im Feuer gebacken. Am Nachmittag sind wir dann zu Malcolm gefahren und haben uns den wohl verdienten Barcheck abgeholt. Einen Beutel Äpfel, die er immer vom Woolworths geschenkt bekommt, hat er uns auch noch mitgegeben. Komischer Typ, schwer einzuschätzen, aber nett ihn mal kennen gelernt zu haben.
Morgen brechen wir dann in die wilden "Kimberley" auf und hoffen, nicht irgendwo auf der ungeteerten, 700 km langen "Gibb River Road" verloren zu gehen.









zurück
Mr Floppy