01. November
Den Morgen wurden wir von großen, hässlichen schwarzen Vögeln begrüßt,
die um uns herum tänzelnten. Trotzdem, es war schön hier auf der Klippe,
eine tolle
Aussicht und Seeluft. Das Frühstück, mussten wir mit unserem
Leben gegen diese aufdringlichen Viecher verteidigen (es gelang ihnen
kurzfristig sogar, die Cornflakes-Tüte vom Tisch zu zerren!).
Danach habe ich im Ozean geplanscht! Man war das kalt! Vorher fragte ich noch
zwei Rettungsschwimmer, ob es gefährlich sei wegen Quallen. Aber die sagten, alles OK,
die tödlichen Quallen sind weiter nördlich, hier gibt es nur Blue Bottles, die sind nur sehr
schmerzhaft. Sehr beruhigend !
Dann sind wir zur Werkstatt gefahren, er wechselte uns für umgerechnet 100 Euro
den Scheinwerfer und stellte für 36 Euro das Zertifikat aus.
Die Ummeldung ging auch glatt. Allerdings brauchten sie nun kein handgeschriebenes
Statement mehr, die temporäre Adresse der Jugenherberge genügte!?
Außerdem kam keiner mit raus und wollte unser Auto in Augenschein nehmen, obwohl
es extra dafür gekennzeichnete Parkplätze gab.
Also machten wir uns zurück gen Süden mit nächstem Halt in
Byron Bay, einem sehr bekannten Badeort, der einst von Hippies und
Aussteigern bevölkert war und sich nun immer mehr zu einem Touristenort wandelt.
Hier sind wir zum östlichsten Punkt Australiens gewandert und haben
uns nun zum erstenmal einen Zeltplatz gegönnt, mit Hoffnung auf besseres
Badewetter morgen.
02. November
Wir sind heute zwar zum Strand gegangen, wegen dem Wetter bin ich aber nur kurz ins Wasser
und dann haben wir an einem Pickniktisch unsere Homepage weitergebastelt.
Dann haben wir uns Byron Bay angeschaut:
Eine eigentümliche Mischung aus Hippie-Läden mit jeder Menge Räucherstäbchen und
den neuesten Touristen-Abzocker-Läden (Surf-, Souvenir-Läden usw.)
Weiter gings auf dem Highway Richtung Südwesten, wir wollten das Inland erkunden.
Abends haben wir auf einem einsamen Rastplatz an einem Fluss gehalten, es regnete
immer noch und der ganze Boden war eingeweicht.
Es war schon dunkel, als ein komischer Cowboy-Typ mit Pick-Up Truck angefahren kam, mitten im
Gebüsch hielt und sein Lager im Wald aufschlug. Wir hielten es doch für besser
weiterzufahren und fanden einen anderen Rastplatz am Highway ("New Italy"),
wo viele andere Camper standen.
03. November
Wir frühstückten unter den Bäumen auf dem Rastplatz, als auch schon die ersten
Touristen-Busse ankamen, um sich das
"New Italy" - Museum anzuschauen. Hier konnte
man in einer Art großer Schuppen alte Sachen aus Italien sehen und Italienisch essen.
Oder zumindest das, was sich Australier unter Italien bzw. italienisch vorstellen
(ich war nicht überzeugt!).
Wir haben jetzt eine Nebenroute gewählt, weil sie interessanter erschien,
mitten durch die
"Great Dividing Range". Dieses Mittelgebirge bestimmt
fast die gesamte Ostküste und grenzt sie vom trockenen Inland ab.
Es sieht aus wie zu Hause, gar nicht wie man sich Australien vorstellt, viel Wald,
jede Menge grüne Hügel und Kuhherden (teilweise ohne Zaun, sodass ab und zu mal ein Vieh auf der Strasse
stand!). Die jahrelange Dürre, unter denen die Australier leiden
(was man an den Lebensmittelpreisen merkt!), kann man sich hier gar nicht vorstellen.
Pünktlich zum Abendbrot auf dem neuen Rastplatz regnete es wieder.
05. November
Nachdem wir gestern den ganzen Tag durchgefahren sind und abends wieder auf einem
Campingplatz genächtigt haben, sind wir heute in Katoomba angekommen,
der Touristenstadt in den Blue Mountains (Teil der Great Dividing Range).
Diese Berge haben die ersten Siedler in Sydney vor ganz schöne Probleme
gestellt. Viele Jahre versuchten Abenteurer, eine Weg nach Westen hindurch
zu suchen, wurden aber vom Dickicht und den Schluchten immer wieder aufgehalten.
Als man es dann doch noch schaffte, stellte man erstaunt fest, das auf der anderen
Seite in aller Ruhe europäische Kuh-Herden grasten. Es waren Nachkommen von
ausgebüchsten Kühen der Siedler, die einen Weg im Norden von Sydney um die Berge
gefunden hatten. Auf die Idee war von den Siedlern komischerweise keiner gekommen.
(nur eine Story aus dem Buch "Frühstück mit Kangarus" von Bill Bryson, das ich
an dieser Stelle mal empfehlen will).
In Katoomba war es saukalt, neblig und feucht mit Regenschauern. Wie im November
in Deutschland!
Der Haupt-Anlaufpunkt für Touristen,
"Echo Point", eine riesige Ausguck-Plattform,
war teilweise in Nebel gehüllt.
Dann sind wir etwas ziellos durch die Stadt gegangen und haben uns später mit Jannik und
Monique getroffen, dem Holländischen Pärchen, das uns das Auto verkauft hatte.
Sie verbrachten die letzten Tage in Australien damit, auf das
Haus und die beiden Hunde eines Freundes in Katoomba aufzupassen,
bevor sie weiter nach Neuseeland fliegen.
Wir verbrachten den Abend zusammen im Haus, geschlafen haben wir aber im
Garten im Auto - es war so kalt, dass wir drei Lagen Sachen plus Schlafsäcke an
hatten!
06. November
Heute vormittag haben wir endlich unsere Website ins Internet geladen,
da glücklicherweise im Haus Internet vorhanden war.
Weil das Wetter keinen Wanderausflug in die Blue Mountains zuließ sind
wir schnell weiter Richtung Südwesten gefahren.
Die Landschaft änderte sich hier, das Gras wurde gelber
und die Hügel kleiner (das Wetter leider nicht besser!).
Abends haben wir kurz hinter der Grenze zum "Australian Capital Territory",
Canberra, an einem Rastplatz halt gemacht und frierend unsere 0,17 Cent
Nudeln gegessen.
Da sich Sydney und Melbourne nie einigen konnten, wer
die Hauptstadt des neuen Australiens sein sollte (1901 aus den einzelnen Kolonien
gegründet), einigte man sich auf ein kleines Dorf mitten im Nichts zwischen den
beiden Städten - Canberra. New South Wales gab einige Quadratkilometer seines
Gebietes ab und entstanden war die Neue Hauptstadt Australiens!
07. November
Sightseeing Canberra !
Zunächst versuchten wir ein Cafe zu finden. Unglaublich schwierig hier!!
Später schauten wir uns auf dem Capital Hill das Parlament an. Kurz vor
den Wahlen des Premierministers von Australien waren die Abgeordneten im "Urlaub".
So durften wir auch in das Innere des Parlaments. Auf zahlreichen Wandtafeln
erfuhren wir noch etwas mehr über die Geschichte Australiens.
Viel mehr gab es eh nicht zu sehen in der Stadt, außer angeblich jede
Menge Museen, aber darauf hatten wir nicht wirklich Lust.
Zwei symetrische Stadtteile geteilt durch den Lake Burley, viele
Verwaltungsgebäude und Wohnhäuser, die teilweise wie 70er
Jahre Feriensiedlungen aussahen. Eine geplante Stadt halt...
Also fuhren wir weiter, bis wir auf einem Campingplatz am "Canberra Exhibtion
Park" Wäsche wuschen. Hier haben wir auch das erste Mal das "Harvest Trail"-
Büro angerufen (Ernte-und Saisonkräfte-Auskunft). Die hatten momentan (kaum vorstellbar!)
nur eine Arbeit als Kirschen-Ausdünner in Shepparton, Victoria.
Wir entschieden, erstmal weiterzufahren und selbst in Städten nach Arbeit zu
fragen.
Weiter Richtung Westen kam endlich die erhoffte Wärme. Auf unserem Rastplatz
am Murray River, der Grenze zu Victoria, haben wir unser erstes wildlebendes
Possum gesehen. Selbst die Taschenlampe hat es nicht verschreckt.
08. November
Unterwegs kamen wir heute durch das historische Dorf
"Chiltern", das uns zum anhalten "zwang".
Es sah so urig aus und man fühlte sich in die Pionierzeit zurück versetzt.
Etwas später erreichten wir Wangaratta, eine Kleinstadt in Victoria,
250km nordöstlich von Melbourne.
Ein sehr netter älterer Herrn in der Tourist-Info gab uns eine Liste
mit allen privaten Arbeitsvermittlungen in
der Stadt und drei Telefonnummern von Kirsch-Farmen, die wir alle
anriefen. Immerhin sagten zwei davon, wir können am Sonntag nochmal
anrufen und fragen ob die Kirschen reifer sind.
Also haben wir erstmal alle Arbeitsvermittlungen abgeklappert, mit wenig Erfolg.
In der Bibliothek der Stadt waren wir noch im Internet und haben einem
Freund eine Internet-Glückwunschkarte geschickt, da er morgen seinen
dreißigsten Geburtstag hat.
Zum Nächtigen haben wir einen Platz südlich von Wangaratta aus unserem Führer
gewählt, wo uns freilaufende Kühe und wild wachsender Hafer erwartete,
der uns dauernd in die Füße stach. Es war trotzdem schön da.
Eine andere Campererin, die wir fragten, ob das Wasser hier trinkbar war,
erzählte uns, dass sie uns schon von dem Platz am Mildura River kannte. Stimmte,
die Welt ist klein!
09. November
Heute wollten wir uns mal ausruhen, keine Fahrt, kein Einkauf, nur etwas
an unserer Website weiter basteln... Da kam plötzlich schon der Anruf
von Tony, dem Besitzer einer der Kirsch-Farmen, ob wir heute Nachmittag
schon Kirschen pflücken wollen. Also alles ins Auto packen und los.
Dort angekommen, fingen wir gleich an, Kirschen ohne Stiel für eine
Marmeladenfabrik zu pflücken (für 1 Dollar pro Kilo - ca. € 0,60 ). Ob sich
das lohnt werden wir noch sehen, wenn wir etwas geübter sind.
Danach ging es wieder zurück auf unseren Hafer-Platz, was auf Dauer aber zu
weit von der Arbeit weg ist.
10. November
Wir haben uns eigentlich die letze Zeit angewöhnt, recht früh ins Bett zugehen und recht früh
aufzustehen, da man ohne feste Bleibe doch ziemlich vom Tageslicht abhängig ist (trotz Lampen).
Trotzdem haben wir heute verschlafen, obwohl wir recht früh zum Kirschen pflücken wollten.
Also schnell Kaffee getrunken und los. Tony interessierte es nicht sehr, er zahlt schließlich
nur was wir pflücken.
Bis jetzt schaffen wir so ca. 60 Kilo pro Tag (gleich 60 Dollar) und davon gehen
noch 29 Prozent Steuern ab. Als Einheimischer zahlt man bei dieser Arbeit
nur 15 Prozent. Wir müssen schneller werden!
Nach der Arbeit machten wir uns auf die Suche nach einem neuen Schlafplatz,
der näher an der Arbeit ist. Wir fanden einen Rastplatz mitten in der
"Warby Range" (einem bewaldeten Höhenzug und Naturschutzpark),
20 Kilometer von der Kirsch-Farm entfernt, mit Plumsklo, natürlich auch ohne Dusche.
Hier, mitten im Wald auf einer Lichtung sieht man dafür morgens und abends die
Kängurus grasen.
11. November
Heute früh waren wir rechtzeitig bei der Arbeit. Rechtzeitig heißt, das
wir gegen 07.30 Uhr anfangen, um der heißen Sonne nachmittags zu entgehen.
Und das ist immer noch viel später als die anderen Pflücker.
Aber wir wären fast nicht weggekommen, da seit der Nacht unsere Wegfahrsperre
spinnt. Sie ging an und aus und an. Heute morgen ging der Alarm gar nicht mehr.
Zum Glück ist der Motor noch angesprungen.
Während der Arbeit hab ich nochmal nach dem Auto geschaut, und wie ich es
mir dachte sprang der Motor nicht mehr an. Die Wegfahrsperre war kaputt.
Sie lies sich auf der einen Seite nicht mehr "scharf" schalten, um einen
Einbruch zu verhindern, auf der anderen Seite blockierte sie den Motor.
Tony bot uns an, eine Nacht auf seiner Farm zu bleiben, weil Sonntag war und
weit und breit kein Mechaniker.
Ich habe trotzdem versucht, die Wegfahrsperre ("Immobilizer") zu by-passen.
Mit Erfolg: Ich habe ein Ersatz-Kabel an die Batterie geschlossen, Zündung an
und Kabel an den Anlasser gehalten. Siehe da, die Karre sprang an!
12. November
Nach der Arbeit haben wir uns erst einmal die lange nötige Dusche genehmigt.
In einer alten Bruchbude hat Tony glücklicherweise sowas wie ein Bad.
Danach haben wir eine Werkstatt gesucht, die den Immobilizer reparieren
konnte, da es nicht sehr komfortabel war, den Wagen immer damit zu starten, ein Kabel
in der Motorhaube an den Anlasser zu halten.
Leider hatte keiner eine Ahnung von Wegfahrsperren oder baute gar sowas ein.
Wir sind dann bei einer Werkstatt gelandet, die vorwiegend Elektronik in Autos
und Traktoren einbaut oder repariert. Der sehr freundliche alte Besitzer
sagt uns, dass der näheste Immobilizer-Spezialist in Melbourne wäre und
er selber ihn höchstens rausbauen kann, damit der Wagen wieder läuft.
Also gut, Termin gemacht.
13. November
Nach der Arbeit haben wir diesmal in der Stadt geduscht, in einer Dusche
in den öffentlichen Toiletten in einer Barbecue-Area. Auch Wasser
haben wir hier aufgefüllt. Diesen Tipp haben wir gestern
von der Touristinfo bekommen.
Wir waren in Gemeinschaft mit einem Obdachlosen, der nebenan unter einer
Brücke wohnt. Dass er allein ist weiß er aber nicht, er lachte die ganze Zeit laut
und führte Gespräche mit seinen unsichtbaren Freunden, mit unterschiedlichen Stimmen!
Es war schon ein komisches Gefühl...
Danach waren wir im Coles einkaufen. Ich wollte eine ältere Angestellte etwas
über das Brot fragen, als sie uns fragte "Which nationality are you?"
Auf unsere Antwort hin sagte sie uns, sie sei auch Deutsche und ist vor 50 Jahren
mit 7 Jahren hier hergekommen. Sie fragte uns außerdem, wo wir schlafen und
bot uns an, bei ihr zu wohnen, da doch auf Dauer das Wohnen im Auto keine Lösung
sei. Wir sollen in zwei Tagen wieder kommen, dann hat sie Zeit uns hinzuführen.
15. November
Gestern war ein bescheidener Arbeitstag. Wir sind beide fast von den Leitern
gefallen, weil man sich bei den Kirschbäumen so verrenken musste.
Es war mal wieder eine andere Sorte von Kirschen. Tony meint, er könnte uns
an die 80 verschiedene Sorten aufzählen, er selber baut aber nur so sieben an.
Heute haben wir frei und waren in der Werkstatt. Der ältere Besitzer, David, fuhr
uns zur Bibliothek von Wangaratta, wo wir im Internet waren und auf unser Auto warteten.
Nach knapp zwei Stunden rief er uns an und holte uns dann wieder ab.
Er verlangte nur 20 Dollar (rund 12 Euro), er hatte den Immobilizer intern
überbrückt, so dass man ihn eventuell später wieder reparieren oder einfach
ersetzen konnte.
Danach haben wir für mich eine Cargo-Hose für nur 14 Dollar gekauft, weil meine
beiden langen Hosen schon völlig kaputt gegangen sind auf dem Trip.
Um 4 Uhr sind wir ins Coles gefahren, um uns mit Karen (früher Karin), der
Deutschen, zu treffen. Sie quartierte uns in eines Ihrer drei Schlafzimmer ein,
wo Ihre vor kurzem verstorbene Mutter wohnte. Hier haben wir ein Bad mit Dusche, eine Küche mit
Kühlschrank und einen richtigen Gasherd! Nach über zwei Wochen nur im Freien leben
merkt man erstmal welch Luxus das ist. Es rückt wirklich einiges in die richtige
Perspektive.
17. November
Für den heutigen Samstag-Abend hat Karin ein Barbecue mit ihren Freunden und uns geplant.
Morgens kam schon Rudi, ein alter lustiger Einsiedler-Kauz aus Deutschland vorbei.
Er war auch schon 40 Jahre in Australien und kam aus Schlesien, wie meine Großeltern.
Er wußte sogar, was Biersoße ist (schlesische Spezialität) und dass man die zu
Weihnachten macht.
Den Tag über kauften wir für abends ein und Karen zeigte uns die günstigeren
Läden in der Stadt.
Dann haben wir noch kurz einen von Karens Söhnen besucht, der mit einer
Griechin verheiratet ist.
Abends zum
Barbecue, das wegen dem Wetter größtenteils drinnen statt fand,
waren interessante Leute zu Besuch. Zum Beispiel Rod,
ein Australier, der sein ganzes Leben lang die Welt bereiste, indem er so
ziemlich überall als Busfahrer arbeitete, oft auch für Abenteuer-Touren.
Eine davon fuhr er mit 13 Leuten auf der Ladefläche eines Trucks von Nord-
nach Südafrika! Besonders spannend war, als er erzählte wie er durch den
Tschad-See gefahren ist (ausgetrocknet) und dann stundenlang an den Steilwänden
nach einem Ausgang gesucht hat. Er hatte viele solche Geschichten auf Lager.
Er hatte auch viele Jahre in Österreich/Deutschland gearbeitet und konnte
ein sehr lustiges Tirolerisch sprechen.
Zum Essen gab es u.a. Kartoffelsalat und Würstchen, begleitet von deutscher
Volksmusik (Anm. des Autors: Da reist man zehntausende von Meilen, um auf der anderen
Seite der Welt mit dieser Musik gefoltert zu werden!)
20. November
Heute hat uns Karen zwei Schwimmbäder gezeigt, eines mit Chlor und eines mit Salzwasser, da ich was für meinen Rücken tun muss. Gestern war für mich nach einer Kiste Kirschen schluss. Mein Rücken tat zu weh. Ich hatte zwei Monate vorher, noch in Deutschland, einen Bandscheibenvorfall. Nach Krankenhaus und Physiotherapie konnte ich dann doch nach Australien fahren, aber beim Kirschenpflücken kamen die Schmerzen wieder. Ich hatte mich dann gestern ins Auto gelegt, was aber Folter ist, wenn es draußen 40 Grad sind. Wenigstens haben wir jetzt ein paar Tage frei, bis neue Kirschen reif sind. Vielleicht gehen bis dahin meine Schmerzen weg.
22. November
Gestern kam Klaus vorbei, ein weiterer deutscher Bekannter von Karen.
Er fuhr mit uns zu einer 10 mal größeren Kirschfarm als unsere, wo wir nach
einem Job fragten, weil wir nicht wussten, ob es noch genügend Arbeit bei unserer
gab. Sie zahlten ungefähr das gleiche und wir können uns melden, wenn wir
dort arbeiten wollen.
Anja's Mutter hat auch hier angerufen, denn endlich haben wir eine Festnetz-
Nummer, unter der uns Leute erreichen können. Mit entsprechenden Billig-
Vorwahlnummern zahlt man aus Deutschland je nachdem ca. 3 Cent/Min.
Wir haben die Nummer aber nur unseren Verwandten gegeben, da wir die
Gastfreundschaft von Karen nicht überstrapazieren wollen.
Wir haben heut im Internet auch nach Infos über Melbourne geschaut, hauptsächlich
über Arbeitsagenturen, da wir morgen mal hinfahren wollen, um nach Jobs zu schauen,
vielleicht im Gastgewerbe.
Vor ein paar Tagen haben wir übrigens ein Motel gefunden, wo ein ungesichertes
W-LAN Internet vorhanden ist.
Das heißt, wir können im Auto hinter dem Motel sitzen und kostenlos surfen.
Ich habe am Anfang trotzdem 5 Dollar gezahlt, weil ich es da noch nicht wusste.
23. November
Heute sind wir recht früh zweieinhalb Stunden auf dem Highway nach Melbourne gefahren.
Wir haben unser Auto in Coburg! abgestellt, einem ziemlich herunter gekommenen
Viertel, um mit der S-Bahn weiter in die Innenstadt zu fahren.
Auf dem Kies-Parkplatz neben den Schienen waren auch schon Splitter von
kaputten (eingeschlagenen?) Autoscheiben. Und das jetzt, wo unser Auto-Alarm
kaputt war! Ich habe das Auto dann so gestellt, dass es im Blickfeld einer
Videokamera der Bahn stand, die am Bahngleis installiert war. Das beruhigte
mich etwas.
In des Stadt sind wir zunächst in die Stadt-Information. Dort half ich erstmal
als Dolmetscher einem Rentner-Päärchen aus Berlin-Köpenick, die Bekannte hier
besuchten und eine Sightseeing-Tour machen wollten. Keiner in dieser riesigen
Information sprach deutsch.
Der Tag war dann eine Mischung aus Sightseeing und Arbeitssuche:
Wir sind mit den Touristen-Straßenbahnen gefahren, haben uns die Victoria Markets
und das Weltausstellungshaus aus dem 19Jh. angeschaut. Zwischendurch
sind wir zu allen möglichen "Hospitality"-Agenturen (Gastgewerbe). Das war
aber weniger erfolgreich und viel gesehen haben wir auch noch nicht.
Wir werden auf jeden Fall nochmal herkommen.
Abends sind wir mit den Zug zurück nach Coburg, wo unser Auto zum
Glück noch unversehrt stand und dann "heim" nach Wangaratta.
26. November
Die letzten 3 Tage hat Anja alleine gearbeitet. Ich habe zu Hause die meiste
Zeit auf dem Rücken gelegen, mit meinen Freunden den Schmerztabletten und mit
einem heißen Kirschkern-Kissen unter mir, das mir Karen gegeben hatte.
Wenigstens hatte ich Zeit, die Website weiter zu programmieren.
Anja wurde jetzt viel schneller mit Pflücken: Sie schafft so im Schnitt
über 100 Kilo pro Tag! Vielleicht liegt es daran, das keiner
sie mit blöden Witzen ablenkt ;-), sie meint aber an der neuen Kirschsorte und
den kleineren Bäumen.
Auf jeden Fall bin ich ganz Hausmann. Ich koche für sie, wenn sie heimkommt.
Bis jetzt hat sie es sogar überlebt!
Heute vormittag habe ich mit Karen alle Cafes und Bars in Wangaratta abgeklappert
nach einem Kellner-Job, weil das wahrscheinlich für meinen Rücken besser ist.
Keines außer eines hatten einen Job. Eine nette junge Frau sagte zu, dass ich
am Freitag, wenn ihr Mann da ist, ein paar Stunden arbeiten kann. Juchhu !
27. November
Heute morgen geich eröffnete mir Karen, dass wir demnächst leider ausziehen
müssten, da unerwarteter Weise die ganze Familie von Ihrer Schwiegertochter
zu Besuch nach Wangaratta kommt und ein paar auch bei Ihr wohnen müssten.
Also haben Karen und ich den ganzen Tag damit verbracht, Motels und Campingplätze
abzuklappern. Leider war entweder alles zu teuer oder ausgebucht.
Am Nachmittag sind wir dann noch zu einem ehemaligen Motel gefahren, was
zu Billig-Wohnungen umfunktioniert wurde. Wir erfuhren von einer Bewohnerin,
dass eine Wohnung frei wäre und haben dann die zuständigen Maklern angerufen und einen
Termin für später ausgemacht.
Gegen um fünf habe ich dann auch schon Anja an der Haustür abgefangen, ihr
die schlechten Nachrichten erzählt und wir sind zu den Maklern gefahren.
Die haben uns die Miete genannt (69 Euro die Woche) und uns den Schlüssel
gegeben, damit wir bis sechs Uhr noch einen schnellen Blick darauf werfen können.
Das "Appartment" ist eine typische Motel-Wohneinheit: Schlaf-Wohnzimmer
mit Kochnische und Badezimmer. Für die Miete annehmbar. Allerdings
stinkt die Klimaanlage stark nach altem, verbrannten Fett. Der
ganze Raum riecht danach, unerträglich. Aber wir denken, entweder wird sie repariert
oder wir decken sie mit Folie ab, für die paar Wochen wo wir noch hier sind.
Eine andere Möglichkeit haben wir leider nicht.
Jetzt müssen wir nur noch warten, ob der "Landlord" (der Besitzer) mit unserer
kurzen Mietdauer von nur drei bis vier Wochen einverstanden ist.
30. November
Die letzten Tag haben wir damit verbracht, noch andere Unterkünfte zu suchen
und für mich eine schwarze Hose fürs Kellnern zu finden.
Zum Glück hat mir Karen eine schwarze Jeans von sich gegeben, die ihr nicht
mehr passt. Wenn man die Beine auslässt, passt sie mir!
Wir haben uns nun für die Wohnung im Motel entschieden, wobei wir ja auch kaum
eine andere Wahl haben. Wir können auch nur drei Wochen dort wohnen, wurde uns mitgeteilt.
Das heißt, wir werden morgen wohl umziehen.
Anja ist heute nicht zur Arbeit, da sie Migräne hat. Mir geht es seit gestern
auch nicht gut, wieder mal eine Erkältung, Kopfschmerzen, Husten etc. Und
das bei dem Wetter (na gut, die letzten Tage hat es geregnet und war kalt).
Ich bin aber trotzdem heute abend zum ersten Probekellnern.
Nach ein paar Stunden Lernen, wie man verschiedenste Kaffees und Milchshakes macht,
bin ich wieder heim.
Ben, der Besitzer des Cafes sagte mir, dass es aber nur ein paar Stunden am Wochenende
zu arbeiten gäbe und dass wir nächste Woche etwas ausmachen.