01. Oktober


Den ersten Tag in unserer neuen Behausung nutzen wir doch glatt als Waschtag. Es ist sehr heiß heute, so wie wir es für Australien erwartet haben. Unsere Mitbewohner (zwei deutsche Informatiker, eine Inderin, eine Spanierin, eine Französin, ein Australier und ein Franzose) sind arbeiten, so dass wir das Haus für uns alleine haben.


03. Oktober


Anja ist heute allein in die Stadt gegangen, weil ich mich immer noch mit meiner Erkältung aus Deutschland rumquäle. Sie hat unterwegs auch gleich den Sydney-Fish-Market und das Marine-Museum entdeckt, wo wir später mal zusammen hinschauen wollen.
Eigentlich wollte sie nur ein Bettlaken kaufen; ganz schön schwierig aus der Vielzahl von Über-, Unter-, Zwischen-, Drüber- und Thermo- Sheets das rauszusuchen, was ein Deutscher unter einem Bettlaken versteht.


04. Oktober


Heute ist zum vierten mal ein Stück von meinem Schneidezahn abgebrochen. Da hat die letzte Reparatur kurz vor der Abreise doch immerhin 3 Wochen gehalten. Also gelbe Seiten wälzen, Zahnärzte abklappern und mit der Info, dass es bis 295 AUD kosten könnte, auf den Termin nächste Woche warten.

Wir haben jetzt auch das Australische Kaufland - "Coles" - gefunden, was auf Dauer hoffentlich billiger ist als die ganzen "Tante Emma Läden", auch Covenience-Stores genannt. Übrigens sind diese in so ziemlich jedem Land außer in Deutschland vorhanden.


06. Oktober


Heute ist Wandertag!

Wir sind früh raus, um mit unseren beiden deutschen Mitbewohnern und Ihrer deutschen Bekannten in den "Ku-Ring-Gai Chase"-National Park in den Norden von Sydney zu fahren. Kaum aus dem Zug raus konnte uns keiner der Einwohner sagen, wo der Gibberangong-Track (Wanderweg) ist. Wir ernteten erstaunte Blicke und wurden auf Bushaltestellen und Straßen verwiesen. Anscheinend laufen Australier nicht gern.
So ging es eine Weile in brütender Hitze entlang dem Highway, bis wir schließlich irgendwo in den Busch sind. Später haben wir in einem kleinen Wildpark unsere ersten Kängurus gesehen, wenn auch nur eingezäunt. Dann auch schon unser erstes "wildes" Tier, einen ziemlich großen Waran (oder so was in der Art)... und noch einen auf dem holprigen Weg ins Tal. Dank der anderen gab's dort ein deutsches Brot und 10 Eier (wir hatten so kurzfristig nur die letzten Möhren eingepackt).
Weiter ging's dann über eine Brücke in den Mangrovenwald, vorbei an "spektakulärer" Aboriginal-Kunst (Strichmännchen) und in einen Mini-Regenwald. Zu guter letzt noch meilenweit am urwüchsigen Flussufer entlang und einen endlosen Aufstieg, bevor wir bei eisigem Wind und fußlahm den Bahnhof erreicht haben.
Endlich zurück daheim, halbtot, gab's dann reichlich Bolognese, die ich gestern vorgekocht habe.


08. Oktober


Immer noch fertig vom Wandern vorgestern und zu faul zum Kochen sind wir bei einem Schnell-Imbiss Inder eingekehrt, wo man sich aus typischen indischen Fleisch- oder Gemüsegerichten drei Sorten auswählen kann, plus einen riesigen Teller Reis für nur 5 Euro. Was will man mehr, außer vielleicht einen größeren Magen um alles auszuprobieren?


10. Oktober


Heute haben wir zusammen den Weg zu Fuß in die Stadt genommen. Erster Stopp: Sydney Fishmarket. Die riesige Auswahl an frischen und lebendigen Meeresgetier, was zum Teil auch mundgerecht angeboten wurde, machte es unumgänglich heute unsere erste Languste zu probieren. Sehr lecker, aber viel zu wenig Fleisch in dem Vieh!
Als zweites zum Australien Maritim Museum. Der Eintritt ist frei und die Ausstellungen recht interessant. Die Schiffsbesichtigung allerdings teuer, so dass wir lieber warten bis die Nachbildung der Endeavor, Captain Cook's Segelschiff, hier anlegt - dann lohnt sich der Preis.


13. Oktober


Gestern war ich beim Zahnarzt und habe eine Versiegelung für 40 Dollar bekommen, keine teure Krone oder so was. Sehr gut !!
Heute waren wir auf dem "Glebe Market" auf einem Schulhof, der jeden Samstag stattfindet. Hier gibt's jede Menge Klamotten, anderen Krimskrams und auch Musik, Essen und Massagen.
Wir haben auch etwas Geld dagelassen, z.B. bei Peter, der eine deutsche Frau hat und eine T-Shirt-Fabrik, und aus Spaß seine T-Shirts auch samstags auf dem Markt anbietet. Wir haben außerdem türkische Eierkuchen mit Spinat gegessen, während sich Anja einen Sonnenhut ausgesucht hat.

Nach dem Markt haben wir uns Glebe endlich mal näher angeschaut.

Abends war ich mit den anderen Mitbewohnern noch in einem Club in Sydney. es war sehr lustig und süffig...


14. Oktober


Wir waren in der "Working Holiday"-Messe, speziell für Backpacker, mit Leiharbeits-Firmen, einigen Steuerrückerstattungs-"Dienstleistern" und welchen, die dir dein sauer verdientes Geld mit "Super-Spar"-Reise-Angeboten aus der Tasche ziehen wollen.
Danach waren wir auf dem "Rocks-Market". Auch dort gibt es im Gegensatz zu vielen Geschäften keine "Made in China" Standard-Souvenirs, sondern originelle, handgemachte Mitbringsel.
Auf dem Observatory Hill mit Sicht auf Sydney und seine Buchten haben wir uns dann ausgeruht.


15. Oktober


Wir haben Sydney jetzt schon wesentlich besser kennengelernt und schon einiges gesehen. Aber jetzt müssen wir uns auch mal um ein Auto kümmern: Deswegen haben wir das erste Mal einen Blick in den "Sydney Kings Cross Car Market" geworfen. Eines für 12 Monate zu mieten oder Zug zu fahren kommt für uns nicht in Frage.
Der Markt ist in einer Tiefgarage untergebracht, wo Backpacker ihre alten, runtergefahrenen Autos an andere "Frischlinge" verscherbeln. Wir werden wohl noch eine paar Tage brauchen, bis wir was Passendes für uns finden. Die Frage ist, ob wir einen Van oder einen Four-Wheel Drive (Allrad) kaufen, immerhin gibt es ja das Outback, was auch immer uns da erwartet.
Eric zum Beispiel, ein Abenteurer aus Nebraska, hat uns sein Nissan Patrol Allrad angeboten. Er hat hier Gold gesucht (aber er sagte gleich "Don't do it! It's not worth it !!!"). Dieses Auto hatte eine komplette Autowerkstatt plus Ersatzteile an Bord: Aber das hilft uns auch nicht, wenn wir nicht wissen wie man z.B. ein Getriebe repariert.


17. Oktober


Was noch nie ein Mensch zuvor getan hat, wir haben es gemacht: Auf der Suche nach einem Auto sind wir den ganzen Tag ca. 10 Kilometer die Paramatta-Road in Sydney entlang gelaufen (einer vierspurigen Ausfallstrasse mit jeder Menge Autohändlern), bzw. haben sie ständig im Zick-Zack überquert. Es war abenteuerlich, da kaum Fußgängerampeln an dieser Straße vorhanden sind, und die Aussies nicht grade Rücksicht auf einen nehmen.
Es gab aber entweder totalen Schrott oder ein, zwei Jahre alte Autos. Es gab kaum was dazwischen. Dafür haben wir ungefähr dreitausend verschiedene Meinungen zum Thema Autokauf gehört.
Danach waren wir total fertig. Das Outback ist nichts dagegen !
Entdeckt haben wir dafür eine günstige Camping-Gitarre.


18. Oktober


Diesmal haben wir es mit dem Internet versucht (siehe auch Links) und ein paar Termine für Probefahrten ausgemacht. Die Gelegenheit, das erste Mal im Linksverkehr zu fahren: Zuerst einen schrottigen und dann einen annehmbaren Mitsubishi-Van, letzterer mit Benzin und Flüssiggas (er kommt in nähere Auswahl!)
Einen ausgebauten VW-Van haben wir uns abends auf der Halbinsel Manly (Stadtteil) angeschaut. Dorthin sind wir auch das erste Mal mit der Fähre gefahren: Dunkle See, große Wellen, schaukelndes Boot, Sydneys Skyline, Möwen kreischen - Seemann was willst du Meer !
PS: Der VW war übrigens zu teuer.


20. Oktober


Nach fünf Tagen anstrengender Autosuche haben wir uns mal die "Hyde Park Barracks" angeschaut, ein ehemaliges Gefängnis und nun ein Museum das nun über seine und die Geschichte Australiens erzählt:
Über die Gefangenentransporte per Schiff, das harte Gefangenenleben dort und spätere Nutzung als Anlaufstation für junge Frauen, die angeworben wurden, um den Männerüberschuss auszugleichen und Familien zu gründen.
Welch Zufall, nebenan am Darling Harbour haben die im Rahmen der grade stattfindenden Internationalen Automesse einen künstlichen Four-Wheel-Drive Track aufgebaut, wo wir mal ansatzweise sehen konnten, was uns draußen in der Wüste erwarten könnte.
Im Paddys Market, Sydneys riesigen Markthallen, hab ich endlich einen Hut für mich gefunden.


25. Oktober


Die letzten fünf Tage haben wir Tausend Autos von den verschiedensten, interessanten Leuten angeschaut. Nebenbei haben wir auch mal einen Blick auf den berühmten Bondi Beach geworfen, wobei wir uns aber gefragt haben, was denn so toll daran sein soll. Eine kleine überlaufene Bucht mit etwas Sandstrand und vielen Surfern. Wem's gefällt.
Mittlerweile sind wir beinahe verzweifelt, weil es entweder Schrott-Autos gab oder nicht die passenden (wir wollten ein ausgebautes, mit Bett etc., da die Zeit knapp wurde). Vorgestern dann haben wir am Kings Cross Marktet ein Holländisches Päärchen kennengelernt, die uns Ihren 4WD (ein Holden Jackaroo - Allrader, dabei wollten wir nun eigentlich einen Van!) gezeigt haben. Das Auto hat eine gute Ausstattung und einen guten Preis.
Leider ist es auch noch in Queensland zugelassen, was bedeutete daß wir ca. 800 Kilometer dorthin fahren müssten, nur um es umzumelden. Wir wollten ursprünglich auch in die Richtung, haben uns aber dagegen entschieden, weil dort oben in den Tropen bald die Regensaison startet. Da ist dann manchmal kein Durchkommen mehr auf den Straßen.
Nach vielem Überlegen haben wir das Auto heute gekauft. Die Abwicklung hat dann doch den ganzen restlichen Tag in Anspruch genommen. Er endete damit, das ich das Auto irgendwie in der Sydney Rush-Hour im Linksverkehr heim-manövriert habe.


27. Oktober


Beim Libanesen haben wir gestern unser neues Auto gefeiert, ganz klassisch mit Bauchtänzerin.
Heute nutzen wir den letzten Tag in Sydney, um noch möglichst viel zu sehen. Wir haben endlich den Nachbau der Endeavour, das Schiff, mit dem Captain Cook Australien entdeckte, besichtigt. Danach sind wir mit der Schnell-Fähre zur Watsons Bay. Von dort sind wir zu den Klippen, die die Einfahrt vom Meer zur Bucht von Sydney ("Port Jackson") markieren, gewandert. Es ist wunderschön dort und außerdem eine tolle Wohngegend, wahrscheinlich aber nicht ganz billig.
Abends waren wir noch im "Pancakes at the Rocks" essen, von einer unserer Mitbewohnerinnen heiß empfohlen, wo man sogar anstehen muss nach einem Platz. Die Pancakes waren nicht wirklich überragend. Also ein Hype, der sich nicht wirklich lohnt.


28. Oktober


Heute sind wir endlich los, Richtung Coolangatta, die erste Stadt in Queensland, kurz hinter der Grenze. Nachdem wir fünf Stunden mit dem Dachgepäck-Schloss gekämpft hatten und noch in der Stadt Kisten für unsere Klamotten gekauft hatten sind wir Punkt 14.05 Uhr los, statt 10 Uhr wie geplant.
Nach einer knappen Stunde Stadtverkehr waren wir auf dem Highway Richtung Norden, vier Stunden Regen, Bäume und Wiesen später landeten wir auf einem Rastplatz neben dem Highway. Nach einem Beutelsüppchen auf dem Campingkocher sind wir in unserem neuen "Schlafzimmer" ins Bett gegangen.


29. Oktober


Unsere Schlaf-Koje und die Matraze sind ja ganz gemütlich, aber der Straßenlärm und der Regen, der übrigens immer noch anhält, machten die erste Nacht im Auto und diesen Morgen etwas ungemütlich. Nach einem Kaffee im Regen ging es schnell weiter in Richtung Coolangatta.
Nach einem verspäteten Frühstück an einer Tankstelle ist Anja das erste Mal gefahren. Bei einem Abstecher zur Küste haben wir mitten in einer Wohnsiedlung unsere ersten freilebenden Kängurus gesehen, wie man es sich immer vorstellt, im strömenden Regen!
In MacLean, DER schottischen Gemeinde Australiens, haben wir Kekse nachgeladen, einen Cafe To Go und einen zweiten Campingstuhl gekauft. Auch "Camps4", die Traveller-Bibel (ein Atlas mit allen kostenlosen und kostenpflichtigen Rastplätzen bzw. Campingplätzen) haben wir uns jetzt gekauft.
In Coolangatta angekommen stand aber im Atlas Nichts zum Übernachten drin und es war schon dunkel, als wir nach einer Irrfahrt irgendwo im Nichts eine Art Rastplatz am einem Bach gefunden haben.


30. Oktober


Als wir heute morgen aufwachten, stellten wir fest, daß wir an einem wunderschönen Tal mit grünen Hügeln geparkt hatten. Der Rastplatz stellte sich als Angel- und Picknickplatz heraus und die Sonne schien auch. Also haben wir erstmal unser Frühstück genossen.
Dafür war der restliche Tag nicht sehr prickelnd: Wir waren bei der Road Authority Queensland, um uns anzumelden, die schickten uns gleich zu einer anderen Zweigstelle (lustigerweise alle in riesigen Einkaufszentren), weil ohne festen Wohnsitz das Auto selbst in Augenschein genommen werden musste und das nur das andere Büro machte. Da wir höchstens eine temporäre Adresse in der Jugendherberge nachweisen konnten (hab mich extra für eine Nacht dort angemeldet) bräuchte ich außerdem noch ein selbstgeschriebenes Statement, dass ich Tourist bin und in der Jugendherberge wohne.
Dann brauchten wir eine neues "Road Worthy Certificate" (TÜV), dass das Auto schon ein paar Tage altes von New South Wales hatte, spielte keine Rolle, also ein paar Garages (Werkstätten) gesucht. Als wir eine hatten, sagte uns der Besitzer, dass wir ohne neuen Frontscheinwerfer (Steinschlag) kein Zertifikat kriegen. Also mussten wir ein paar Tage in Coolangatta warten, bis er einen neuen Scheinwerfer hatte.
Wir machten das Beste daraus, die Frage war nur wo wir übernachten sollten. Hier waren dutzende Touristengemeinden, alle am Meer, keine Rastplätze in der Nähe und überall Camping-Verbot (no overnight staying!). Wir taten es trotzdem: Direkt am öffentlichen Strand von Coolangatta, wo wir gestern noch etwas Angst hatten, dass uns die Cops aufschreiben. Hier gab es Bänke, eine Dusche (eigentlich für Badegäste) und kostenlose Barbecue- Grills.


31. Oktober


Endlich mal kein Regen und Frühstück mit Blick aufs Meer !! Wir hatten unsere Ruhe, außer das uns eine halbe Stunde eine alte Oma von Ihrer Vergangenheit erzählte, ihr Opa Deutscher war etc. Aber es war interessant. Dann habe ich an der Website weitergebastelt, später waren wir neue Batterien für die Wegfahrsperre und einen zweiten Schlüssel für den Dachgepäckträger besorgen. Zum Abendbrot haben wir dann Känguru Steaks und Bratkartoffeln auf dem Barbecue Grill am Meer gebraten, bevor wir lieber weiter sind uns einen anderen Schlafplatz zu suchen, da wir dachten es fällt sonst zu sehr auf. Wir fanden einen schönen Aussichtspunkt mit Bänken und Tischen auf einer Klippe am Meer. Dort standen auch schon andere, ein asiatisches Surfer-Pärchen in einem Kombi, die sich gerade "bettfertig" machten.
Gute Nacht!









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Mr Floppy